Verein will Teil des Gefängnisgeländes erwerben

Die Mitgliederversammlung des Vereins Lern-und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. hat am 26.10.2015 beschlossen, das Kaufangebot des Freistaats Sachsen zur Errichtung eines Gedenkorts anzunehmen, und hält an seiner Zielstellung fest, Teile des historischen Gefängnisgebäudes weiterhin zu nutzen und dauerhaft in den Lern- und Gedenkort einzubeziehen. Die Mitglieder des Vereins Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e. V. haben gestern nach einer intensiven und auch kontroversen Diskussion mit großer Mehrheit beschlossen, einen Teil des Kaßberg-Gefängnisgeländes zu erwerben, um dem großen Ziel einer Gedenkstätte auf diese Weise ein Stück näher zu kommen. Der Freistaat Sachsen, vertreten durch den SIB,
bietet dem Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. an, einen Teil der Gefängnisfläche zu erwerben, um dort einen dauerhaften und
ganzjährig begehbaren Gedenkort zu errichten. Gegenstand des Vertrags ist eine noch zu vermessende Teilfläche von ca. 200 m². Die kaufgegenständliche Teilfläche liegt im Südwesten des Grundstücks.
Auf ihr steht ein Wachturm. An diesem schließt sich in nördlicher und östlicher Richtung die Gefängnismauer an. Der Kaufgegenstand grenzt unmittelbar an die Kaßbergstraße an. Der Freistaat Sachsen verkauft an den Verein diese Teilfläche für einen symbolischen Euro und verpflichtet sich im Rahmen einer unentgeltlichen Geschäftsbesorgung den Gedenkort nach Maßgabe des Entwurfs „Wettbewerb Gedenkort-Kaßberg-Gefängnis" der AG Berthold Weidner/Martin Bennis zu errichten sowie diesen für den Verein zu erstellen und zu übergeben. Mit den Baumaßnahmen wird unverzüglich nach notarieller Beurkundung des Vertrages begonnen. Der Verein hat sich diesen Schritt nicht leicht gemacht. Aufgrund der inzwischen jahrelangen Querelen um den historischen Ort sind vor allem die Zeitzeugen auch skeptisch, ob mit diesem Schritt der Verein mit einer
Teillösung zufrieden gestellt werden soll. Dabei ist besonders ihnen wichtig, weiterhin Führungen innerhalb des Zellentraktes durchführen zu können, wo ihre Leidensgeschichten geschrieben wurden. Die Sorge, es können bei einem Gedenkort außerhalb des eigentlichen Gebäudes bleiben, teilt auch der Vereinsvorstand. "Wir wollen dennoch auch für diesen Teil des Geländes zeigen, dass wir Verantwortung übernehmen können" sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende Hanka Kliese.
Vereinschef Jürgen Renz ist überzeugt: "Wir werden beharrlich deutlich machen, dass dies für uns nur ein Zwischenschritt sein kann. Für uns ist nach der Entscheidung trotz aller Bauchschmerzen das Glas halb voll. Der Verein stellt sich in dieser Situation seiner Verantwortung und freut sich auf die Aufgabe, den noch zu errichtenden Gedenkort zu betreiben. Damit wird ein dauerhaftes Angebot geschaffen, die wechselvolle und bedeutende Geschichte des Kaßberg-Gefängnisses ganzjährig zu präsentieren."