Wir sind Preisträger - Kaßbergverein wird von der "Stiftung Lebendige Stadt" geehrt

 

Unter 437 Bewerbungen aus dem In-und Ausland hat die Preisjury der Stiftung Lebendige Stadt die Bewerbung mit dem Titel "Kaßberggefängnis - Lernen und Gedenken" ausgewählt, um die Initiative am Abend des 18. September in der E.ON-Zentrale Essen auszuzeichnen.

Zur Stiftungspreisverleihung wurden die besten 16 Bewerbungen geladen. Preiswürdig waren Projekte, die einen Beitrag zur Erinnerungskultur einer Stadt und Kommune leisten. Gesucht wurden 2014 Projekte, die "mit Erinnerung Identität stiften und der Stadtentwicklung Grundlagen und Impulse geben."

Dem Stiftungsrat gehören u.a. Persönlichkeiten wie Matthias Platzeck, Arved Fuchs, Ingrid Mössinger und Burkhard Jung an.

Unser Verein erhielt eine Anerkennung.


Unsere Vereinsmitglieder Wolfgang Lötzsch, Sabine Popp, Florian Reichold und Hanka Kliese nahmen die Auszeichung entgegen. Sie waren bis zum heutigen Abend angehalten, Stillschweigen über die Preisverleihung zu bewahen.

Wir freuen uns außerordentlich über diese Anerkennung des Engagements unseres Vereins und seiner Mitglieder.

siehe auch: Pressemitteilung der Stadt Chemnitz

 

 

 

Stolpersteine vor dem Kaßberg-Gefängnis

Am Mittwoch, den 10. September 2014, wurden direkt vor dem Kaßberg-Gefängnis zwei Stolpersteine verlegt, die an weitere Opfer nationalsozialistischer Willkür erinnern. Der Kaufmann Leib Kleinberg und der Anwalt Hans Mire waren während der Nazi-Zeit in "Schutzhaft" auf dem Kaßberg untergebracht und nahmen sich dort aus Angst vor der Deportation im Jahr 1940 das Leben. Der Verein Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. dankt der Stadt Chemnitz für die Einladung zu der Stolpersteinverlegung und den Initiatoren und den Paten für Ihr Engagement, mit dem auch auf diese finstere Periode der Geschichte des Kaßberg-Gefängnisses hingewiesen wird. Die Stolpersteine befinden sich auf dem Kaßbergstraße in Höhe des Wachturms - am Standort des künftigen bisher geplanten Gedenkortes.

Unser Vorsitzender Jürgen Renz hat gemeinsam mit Veronika Brandt an der Gedenkveranstaltung teilgenommen und hielt dort im Namen des Vereins eine kurze Ansprache, in der er u.a. über die Aufklärungsarbeit unseres Vereins informierte.

Das Chemnitzer Kaßberg-Gefängnis war zu DDR-Zeiten für viele politische Gefangene das Tor zur Freiheit. Für Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten u.a. markierte es im "Dritten Reich" oftmals die letzte Etappe auf dem Weg ins Konzentrationslager. Auch darüber wollen wir in einer Gedenkstätte aufklären.

 

 

 

 

 

 

 

 

Enthüllung einer Informationstafel

Am Nachmittag des 17. Juni wurde im Beisein von ca. 30 geladenen Gästen von der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten in Anwesenheit Staatsminister und Chef der Staatskanzlei Dr. Johannes Beermann am Standort des zukünftigen Gedenkortes eine Informationstafel enthüllt.

Aussagen zur endgültigen Fertigstellung des Gedenkortes wurden nicht gemacht.

Unsere stellvertretende Vereinsvorsitzende Hanka Kliese begrüßte dies als einen ersten guten und richtigen Schritt zur Erinnerung an die Geschichte des Ortes, forderte aber zugleich in ihrem Grußwort im Namen aller Vereinsmitglieder und Zeitzeugen zu mehr Transparenz auf.

 

 

 

Gestaltung eines Gedenkortes beschlossen

Auf dem Chemnitzer Kaßberg soll zunächst ein Gedenkort an die größte Abschiebehaftanstalt der DDR erinnern. Wie die Stiftung Sächsische Gedenkstätten in Dresden mitteilte, wurde die Gestaltung eines Gedenkortes beschlossen.

Er soll nach dem Entwurf des Architektenbüros Berthold Weidner/Martin Bennis (Stuttgart/Berlin) umgesetzt werden.

Der Entwurf sieht vor, einen erhaltenen Wachturm und zwei Mauersegmente um fünf gleichhohe Informationselemente aus Glas zu ergänzen.

Die Kommission würdigte eigenen Angaben zufolge das "ausgewogene und würdevolle Gesamtkonzept". Besonders hervorgehoben wurde dabei der Umgang mit der historischen Bausubstanz.

Als positiv wurde außerdem bewertet, dass das Gedenken und das Informationsangebot getrennt werden.

(Quelle: http://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/gedenkort-auf-dem-kassberg100.html)

 

Hier sind auch die ersten Bilder zu sehen.

 

Studenten organisierten einen zeithistorischen Rundgang in und um das leerstehende Kaßberg-Gefängnis

Vier Studierende der Europa-Studien und der Europäischen Geschichte organisierten Ende Februar 2014 einen zeithistorischen Rundgang in und um das leerstehende Kaßberg-Gefängnis. Vom 27.02. bis zum 01.03.2014 fanden drei Führungen statt, an denen insgesamt rund 50 Studierende teilnahmen. Thema des Rundgangs war die Unterdrückung von Andersdenkenden, Unangepassten und RegimegegnerInnen in der Zeit von 1945 bis 1990 in Chemnitz/Karl-Marx-Stadt. Der Schwerpunkt lag dabei auf den Orten im Stadtgebiet, an denen Unrecht geschehen ist.
Dabei waren die OrganisatorInnen selbst die ExpertInnen für die fünf thematischen Stationen des Rundgangs. Die Idee für den Rundgang entstand in einem forschungsorientierten Geschichtsseminar an der TU Chemnitz. Das Seminar beschäftigte sich mit Repressionsorten in Chemnitz von 1945 bis 1990. Zu Beginn der Recherche wurde deutlich, dass kaum Literatur zu diesem Thema vorhanden ist. Aus diesem Grund beruhen die meisten Forschungsergebnisse der Studierenden auf Recherchen in Archiven und Gesprächen mit ZeitzeugInnen. Diese Ergebnisse bildeten die Grundlage des Rundgangs. Motivation für das Projekt war der Wunsch, diese noch kaum bekannten Themen der Chemnitzer Geschichte an Studierende der TU Chemnitz weiterzugeben.
Das Kaßberg-Gefängnis als Ort des Rundgangs zu wählen, beruht auf seiner stellvertretenden Funktion für alle Orte von Unterdrückung in Chemnitz. Zur Zeit der sowjetischen Besatzung so
wie zur DDR-Zeit wurden hier politische Häftlinge, zum Teil ohne Prozesse, festgehalten.
Der Rundgang begann vor dem eisernen grauen Tor des Kaßberg-Gefängnisses. Christian Lieberwirth führte in die Architektur und Geschichte des 1886 als Königlich-Sächsische Gefangenenanstalt gebauten Gefängnisses ein. Zu Zeiten der DDR war es für 370 Häftlinge ausgerichtet und somit das größte Gefängnis der DDR. Nach der Wiedervereinigung wurde das Gefängnis als Justizvollzugsanstalt weitergenutzt und teilweise umgebaut. Seit 2010 steht es wegen mangelnder Brandschutzvorkehrungen leer.
Veronica Scholz informierte über die Situation während der sowjetischen Besatzungszeit von 1945 bis 1949. Viele Jugendliche wurden damals fälschlicherweise verdächtigt, in der nationalsozialistischen Partisanen-Organisation „Werwolf" tätig gewesen zu sein. Diese Organisation sollte die Besatzungsmacht durch Terrorakte schwächen. Die Jugendlichen wurden oftmals für mehrere Jahre inhaftiert. Im Rahmen ihrer Recherche konnte Veronica Scholz fünf über die Stadt verteilte Haftkeller ausfindig machen. In diesen provisorischen Haftorten in Privathäusern oder Verwaltungsgebäuden wurden Verdächtige meist unter Gewaltanwendung verhört. Weiterhin wurde die Funktion des Kaßberg-Gefängnisses zur Zeit der sowjetischen Besatzung und der Weitertransport der Häftlinge in Speziallager durch die Besatzer erläutert. Ein Zeitzeuge veranschaulichte dies durch Schilderungen der verschiedenen Stationen seiner Gefangenschaft: Haftkeller, Kaßberg-Gefängnis und Arbeitslager in Sibirien.
Die nächste Station des Rundgangs knüpfte an das Thema Unterdrückung von Unangepassten an, verließ thematisch aber das Gefängnis. Amelie Stelzner informierte über die Heimerziehung in der DDR und die politisch motivierte Umerziehung der Heimkinder und -jugendlichen zu staatstreuen Menschen. In den Heimen lebten nicht nur Kinder, deren Eltern nicht für sie sorgen konnten. Auch Kinder, die oppositionelle Eltern hatten oder Jugendliche, die nicht angepasst waren, wie zum Beispiel Punks, lebten hier. Insgesamt haben rund 500 000 Kinder und Jugendliche das Heimsystem der DDR durchlaufen. In Chemnitz konnte Amelie Stelzner 27 Heime ausfindig machen. Es ist davon auszugehen, dass deutlich mehr existierten.
Im nächsten Abschnitt des Rundgangs wurde die besondere Bedeutung des Kaßberg-Gefängnisses für Gesamtdeutschland hervorgehoben. Es ging um den Häftlingsfreikauf, der von 1963 bis 1989 hauptsächlich über das Kaßberg-Gefängnis abgewickelt wurde. Dabei wurden mehr als 33 000 Häftlinge von der DDR an die Bundesrepublik verkauft. Die BRD bezahlte für sie Aufwendungen im Wert von 3,4 Milliarden DM. Auch diese Ausführungen wurden durch die persönliche Geschichte eines Zeitzeugen veranschaulicht.
In der fünften Station des Rundgangs widmete sich Theresa Kiunke der Rezeption dieser Vergangenheit, die für viele BesucherInnen kaum bekannt war. Ebenso unbekannt war die Gedenkstehle, die unweit vom Gefängnis und dem angrenzenden Justizkomplex in der Hohen Straße steht. Sie erinnert an die Opfer der Gewaltherrschaft von 1945 bis 1990. Vor Ort konnte sich die Gruppe ein Bild von der Stehle machen und deren Wirkung anschließend bei Kaffee und Tee in entspannter Runde im Haus Arthur diskutieren.
Viele äußerten, dass sie die Stehle als nicht ansprechend empfinden, da der geschichtliche und ortsbezogene Hintergrund kaum bekannt ist und an dem Denkmal auch nicht erklärt wird. Weiter wurde über die Nachnutzung des Kaßberg-Gefängnisses diskutiert. Das Gefängnis hätte per se eine stärkere Wirkungskraft als der Gedenkstein. Es würde sich anbieten hier eine Gedenkstätte einzurichten, um über das stattgefundene Unrecht aufzuklären. Auch die Zeitzeugen bestärkten die jüngeren Generationen, die Erinnerungsarbeit fortzusetzten.

Auf Grund der großen Nachfrage sind weitere Rundgänge in Planung. Zusätzlich soll das Thema auch für andere Zielgruppen, wie Schulkinder und Chemnitzer BürgerInnen, aufbereitet werden.
(von Veronica Scholz, Amelie Stelzner, Theresa Kiunke)

 

 

 

 

 



 

Das Kaßberg-Gefängnis als Fotobjekt

Christian Sünderwald war der erste Fotograf, der uns mit der Anfrage überraschte, das Kaßberg-Gefängnis fotografieren zu wollen. Ihm folgten mehrere weitere Chemnitzer Fotografen.

Die dabei entstandenen Bilder finden Sie ab sofort unter Medienecho > Fotografie.

 

 

Foto: Christian Sünderwald

 

Sachverständige fordern Aufnahme des ehemaligen Kaßberggefängnis in neues Gedenkstättengesetz

Bei der Anhörung am 21. Mai 2012 im Sächsischen Landtag sprachen sich gleich mehrere Sachverständige dafür aus, den bisher nicht im Gesetz berücksichtigten Gedenkort des Kaßberg-Gefängnisses in Chemnitz in den Kanon der institutionellen Förderung aufzunehmen. Unter ihnen der Historiker Professor Joachim Scholtyseck, der die Bedeutung des Gedenkortes sowie die in kurzer Zeit auf gutem Niveau entwickelte Arbeit vor Ort betonte. Ebenfalls sprach sich der einstige Bürgerrechtler Tobias Hollitzer, Mitglied des Stiftungsbeirates der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, für das Kaßberg-Gefängnis als Gedenkort aus.

Hanka Kliese, stellvertretende Vorsitzende des Chemnitzer Vereins "Lern- und Gedenkort Kaßberggefängnis e.V.", sieht darin ein wichtiges Signal. "Nachdem zur Museumsnacht am 5. Mai bereits die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Chemnitz ihr deutliches Bekenntnis zur Errichtung eines Lern- und Gedenkortes abgegeben haben, erhält das Ansinnen nun Rückenwind durch Sachverständige aus Wissenschaft und Gedenkstättenarbeit. Das bestärkt uns als Verein enorm und ich hoffe, dass die Forderungen bei den Verantwortlichen aus den Regierungsfraktionen nicht auf taube Ohren stoßen. Es sprechen viele gute Gründe für eine Gedenkstätte."

Wolfgang Lötzsch in die "Hall Of Fame des deutschen Sports" aufgenommen

Der "verhinderte Radstar Wolfgang Lötzsch" wurde in die "Hall of Fame des deutschen Sports" aufgenommen.

Die von der Stiftung Deutsche Sporthilfe begründete "Hall of Fame des deutschen Sports" schafft ein bleibendes Forum für Persönlichkeiten, die durch Leistung, Fairplay und Miteinander Vorbild geworden sind: Sportlerinnen und Sportler unseres Landes, Trainer, Funktionsträger, Betreuer oder Mäzene, die ihren Erfolgswillen mit den Prinzipien des Sports in Einklang gebracht haben.

Wir gratulieren unserem Vereinsmitglied und Zeitzeugen ganz herzlich zu dieser Ehrung.

Auch die Medien würdigen die sportliche Leistung sowie die persönliche Haltung von Wolfgang Lötzsch. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt dazu: „Lötzsch wurde verfolgt, betrogen und eingekerkert, nur damit er nicht immer weiter die erfolgsgewohnten Staatsamateure der DDR, die Botschafter des Arbeiter- und Bauernstaates, auf den Rennbahnen und auf dem Kopfsteinpflaster der Heimat abhängte. Weil sie ihn in ihre Auswahl nicht aufnahmen, aber auch nicht aus der DDR ausreisen ließen, bekamen seine Siege eine Dimension jenseits des Sports" (faz.net)

Und auch die Frankfurter Rundschau würdigt Wolfgang Lötzsch und erwähnt auch seine Einsperrung im Chemnitzer Kaßberg-Gefängnis. (siehe Presseecho)

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