Der Zeitraum 1933 - 1945

So wie auch die Gefängnisse in Hoheneck (Stollberg) und Bautzen wurde auch der Gefängniskomplex auf dem Chemnitzer Kaßberg von den nationalsozialistischen Gewaltherrschern genutzt. Doch welche Behörden der nationalsozialistischen Ordnungs- und Sicherheitspolizei sowie der NS-Justiz das Kaßberg-Gefängnis zu welchen Zwecken genutzt haben, ist derzeit nicht ausreichend erforscht und es gibt kaum mehr Zeitzeugen, die darüber Auskunft geben könnten. Sicher ist, dass während des Nationalsozialismus in dem Gefängnisbau ein Gerichtsgefängnis (Untersuchungshaft) und eine Strafvollzugsanstalt untergebracht waren. Das Chemnitzer Polizeipräsidium mitsamt einem Polizeigefängnis befand sich nicht auf dem Kaßberg, sondern seit November 1931 im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Lokomotiv- und Maschinenfabrik R. Hartmann AG an der Hartmannstraße (heute Sitz der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge). Dort hatte zuerst auch die 1933 neu geschaffene Gestapo (Geheime Staatspolizei) ihren Dienstsitz und verfügte über eigene Zellen und Vernehmungsräume. In diesem Gebäude sind Misshandlungen und Ermordungen von Gefangenen belegt. Im Zuge des Ausbaus des NS-Machtapparates zog die Gestapo dann von der Hartmannstraße in eine enteignete Villa an der Kaßbergstraße. Dieses Gebäude wurde während der Luftangriffe am 5. März 1945 komplett zerstört.