Staatssekretär Uwe Gaul besucht Kaßberg-Gefängnis / Lob an Gedenkverein für wichtige Erinnerungsarbeit

Uwe Gaul, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat heute das einstige Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz und den Verein Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis besucht. Bei dem Besuch ging es um die Möglichkeiten der Gedenkarbeit in der einst größten Abschiebehaftanstalt der DDR. Der Verein hat dafür ein inhaltliches Konzept erarbeitet, nachdem in einer kleinen Ausstellung über die Nutzung des Gefängnisses von 1933 bis 1989 informiert werden soll. Der Verein übernimmt als Träger des Gedenkortes die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung dieser Ausstellung.

Weiterlesen: Staatssekretär Uwe Gaul besucht Kaßberg-Gefängnis / Lob an Gedenkverein für wichtige...

Virtueller Rundgang durch das Kaßberg-Gefängnis

Dank des freundlichen Angebots der Agentur Horus Vision ist es ab sofort rundum die Uhr und zu jeder Jahreszeit möglich das Kaßberg-Gefängnis zu besichtigen. Klicken Sie auf das Bild und unternehmen Sie einen virtuellen Rundgang durch das Kaßberg-Gefängnis.

Selbstverständlich weisen wir an dieser Stelle gerne darauf hin, dass der virtuelle Rundgang durch das Gefängnis sich in das Projekt Virtuelles Chemnitz eingliedert:

Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich für die angenehme Zusammenarbeit und freundliche Unterstützung bei HORUS VISION bedanken.

 

 

Verein will Teil des Gefängnisgeländes erwerben

Die Mitgliederversammlung des Vereins Lern-und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. hat am 26.10.2015 beschlossen, das Kaufangebot des Freistaats Sachsen zur Errichtung eines Gedenkorts anzunehmen, und hält an seiner Zielstellung fest, Teile des historischen Gefängnisgebäudes weiterhin zu nutzen und dauerhaft in den Lern- und Gedenkort einzubeziehen. Die Mitglieder des Vereins Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e. V. haben gestern nach einer intensiven und auch kontroversen Diskussion mit großer Mehrheit beschlossen, einen Teil des Kaßberg-Gefängnisgeländes zu erwerben, um dem großen Ziel einer Gedenkstätte auf diese Weise ein Stück näher zu kommen. Der Freistaat Sachsen, vertreten durch den SIB,
bietet dem Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. an, einen Teil der Gefängnisfläche zu erwerben, um dort einen dauerhaften und
ganzjährig begehbaren Gedenkort zu errichten. Gegenstand des Vertrags ist eine noch zu vermessende Teilfläche von ca. 200 m². Die kaufgegenständliche Teilfläche liegt im Südwesten des Grundstücks.
Auf ihr steht ein Wachturm. An diesem schließt sich in nördlicher und östlicher Richtung die Gefängnismauer an. Der Kaufgegenstand grenzt unmittelbar an die Kaßbergstraße an. Der Freistaat Sachsen verkauft an den Verein diese Teilfläche für einen symbolischen Euro und verpflichtet sich im Rahmen einer unentgeltlichen Geschäftsbesorgung den Gedenkort nach Maßgabe des Entwurfs „Wettbewerb Gedenkort-Kaßberg-Gefängnis" der AG Berthold Weidner/Martin Bennis zu errichten sowie diesen für den Verein zu erstellen und zu übergeben. Mit den Baumaßnahmen wird unverzüglich nach notarieller Beurkundung des Vertrages begonnen. Der Verein hat sich diesen Schritt nicht leicht gemacht. Aufgrund der inzwischen jahrelangen Querelen um den historischen Ort sind vor allem die Zeitzeugen auch skeptisch, ob mit diesem Schritt der Verein mit einer
Teillösung zufrieden gestellt werden soll. Dabei ist besonders ihnen wichtig, weiterhin Führungen innerhalb des Zellentraktes durchführen zu können, wo ihre Leidensgeschichten geschrieben wurden. Die Sorge, es können bei einem Gedenkort außerhalb des eigentlichen Gebäudes bleiben, teilt auch der Vereinsvorstand. "Wir wollen dennoch auch für diesen Teil des Geländes zeigen, dass wir Verantwortung übernehmen können" sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende Hanka Kliese.
Vereinschef Jürgen Renz ist überzeugt: "Wir werden beharrlich deutlich machen, dass dies für uns nur ein Zwischenschritt sein kann. Für uns ist nach der Entscheidung trotz aller Bauchschmerzen das Glas halb voll. Der Verein stellt sich in dieser Situation seiner Verantwortung und freut sich auf die Aufgabe, den noch zu errichtenden Gedenkort zu betreiben. Damit wird ein dauerhaftes Angebot geschaffen, die wechselvolle und bedeutende Geschichte des Kaßberg-Gefängnisses ganzjährig zu präsentieren."

Wolfgang Looß: 5. Oktober 1928 - 24. September 2015

Wolfgang Looß begleitete den Verein seit der Gründung. Zunächst als einziger Zeitzeuge, der über die Verbrechen der sowjetischen Besatzungszeit berichten konnte, nutzte er viele Möglichkeiten, gegen das Vergessen aktiv zu sein. Ungeachtet seines hohen Alters trat er vor Schulklassen, in Diskussionsrunden und natürlich auch am authentischen Ort im Kaßbgerg-Gefängnis auf. Er wurde nicht müde zu mahnen. Sein treuester Begleiter war dabei der braune Holzkoffer, der ihm aus seiner Zeit in Workuta geblieben war. Zum 17. Juni sprach er hochbetagt zu Schlülern und Vertretern der Politik. Mit den Ergebnissen der bisherigen Aufarbeitung gab er sich selten zufrieden, er forderte stets mehr Auseinandersetzung. Er geriet als junger Mann in die Fänge der stalinistischen Willkür und war in mehr als zehn Lagern interniert. Seiner Jugend beraubt, konnte er im hohen Alter Aufmerksamkeit und Mitgefühl für sein Schicksal erfahren, dass er zu DDR-Zeiten geheim halten musste. Seine Beharrlichkeit soll für uns im Einsatz für eine Gedenkstätte beispielgebend sein.

Unser Mitgefühl gilt seiner ganzen Familie.

 

 

Na dann kann es ja losgehen ...

So viel Bewegung in Sachen Gedenkort wie in den ersten Junitagen des Jahres 2015 haben wir uns schon lange gewünscht. Und der Flashmob am 17. Juni vor dem Gefängnistor (siehe Foto oben) bewies .... wir sind bereit!

Aber der Reihe nach. Irgendwie scheint es fast so, als ob alles mit der kleinen Anfrage unsere Vereinsmitglieds Volkmar Zschocke im Landtag begonnen zu haben.

In der Antwort aus dem Wissenschaftsministerium war dann endlich mal nachzulesen, dass von den ursprünglich 900 000 EUR, die für die Errichtung des Gedenkortes zur Verfügung stehen immerhin noch reichlich 550 000 EUR übrig geblieben sind.

Noch interessanter war dann allerdings die Antwort auf eine zweite kleine Anfrage von Herrn Zschocke. Hier antwortete das Finanzministerium, dass ...

  • "...ein abschließendes Verhandlungsergebnis bislang nicht erreicht werden konnte, weil die notwendigen, umfangreichen und langwierigen Abstimmungsprozesse zur konkreten Ausgestaltung, Errichtung und dauerhaften Betreibung des Gedenkortes sowie zu den denkmalpflegerischen Belangen der Immobilie noch nicht vollständig abgeschlossen sind ..."
  • " ...alternativ zur Verpflichtung des Investors die Möglichkeit besteht, die Immobilie zu teilen und die vom Gedenkort nicht betroffene Teilfläche verpflichtungsfrei zu veräußern. Der Freistaat Sachsen erwägt diese
    Alternative, falls die bisherigen Veräußerungsbemühungen nicht zeitnah abgeschlossen werden können...."

Diese Informationen haben uns dann doch ziemlich überrascht, zumal doch in der Antwort des Wissenschaftsministerium zu lesen ist: "... Der Verein wurde über aktuelle Entwicklungen seitens der Stiftung informiert ..."

Es ist jedenfalls schön, dass kleine Anfragen als Instrumente der parlamentarischen Kontrolle gibt. Jedenfalls erzeugten diese Neuigkeiten eine ganze Menge Aufsehen in den sächsischen Medien:

Und tatsächlich erhielten wir auch kurze Zeit darauf eine Einladung zu einem Gespräch beim Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), dem gegenwärtigen Eigentümer der Immobilie. Nun sind wir mächtig gespannt. Wir sind bereit Verantwortung für den Gedenkort zu übernehmen, zuletzt hat das ja auch unser (schon länger geplanter) Flashmob am 17. Juni 2015 gezeigt Lächelnd!

Wir werden Sie hier über die weitere Entwicklung informieren und dafür bedarf es auch nicht erst einer kleinen Anfrage an uns.

 

 

Rückblick auf die vierte Museumsnacht

Geschafft! Unsere bereits vierte Museumsnacht liegt hinter uns und wir konnten unsere Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr sogar um 300 auf 1500 steigern. Das ist eine beeindruckende Zahl und wir hoffen,dass sie nun die Richtigen beeindruckt. Vor allem aber wollen wir DANKE sagen - für unermüdliches Kassieren, Videos an- und ausschalten, Schilder zurückbringen, Essen vorbereiten, Fragen zum Verein beantworten, Besucher führen, Menschen in der Schlange beschwichtigen, Spenden und Unterschriften einsammeln und Vieles Vieles mehr!

Wir sind sehr stolz, dass trotz der unklaren Lage so tatkräftige Helfer diese Nacht ermöglicht haben. Es ist uns eine Ermutigung, und die können wir gut gebrauchen. Wir haben versucht, im Vergleich zu den Vorjahren Einiges besser zu machen, Manches hat sogar geklappt. So konnten wir die Wartezeiten auf die Führungen diesmal auf nahezu null absenken, da wir mehr Personal für Führungen zur Entlastung der Zeitzeugen stellten. Dafür nochmal besonderen Dank an Christian Lieberwirth, der uns darin fachkundig einwies.

Etwas ganz Besonderes war in diesem Jahr die Beteiligung verschiedener Opfergruppen, dafür danke an Maik Reinhardt für den Kontakt. Die Lebensgeschichten zwangsadoptierter Kinder haben auch uns, die wir schon viel gelesen und gehört haben, zutiefst bewegt. Insgesamt waren wir sehr überrascht von dem großen Ansturm, waren doch erst zu den Tagen des Offenen Tores so viele Menschen dabei gewesen. Für uns ist das ein kraftvoller Rückenwind.

Im Namen des Vorstandes
Hanka Kliese

Endlich .... wir haben unser Schild!

Sieben Monate hat es gedauert, bis das Schild, das wir als Auszeichnung beim Wettbewerb der "Stiftung Lebendige Stadt" für die "lebendigste Erinnerungsstadt" erhielten, endlich den verdienten Platz am Gefängnistor gefunden hat. Endlich. Manche Dinge dauern schon ziemlich lange. Obwohl im Gegensatz zur Diskussion um die Errichtung eines Gedenkortes haben wir bei der Schildanbringung eigentlich noch ein ganz ordentliches Tempo an den Tag gelegt.

 

Zaunausstellung & Briefkästen

 

Studenten, die im Rahmen ihres Studiums zum Kaßberg-Gefängnis geforscht haben und die die Geschichte dieses historischen Ortes nich loslässt, haben mit und für unseren Verein eine "Zaunausstellung" angefertigt, die die ganze Geschichte des Gefängnis zeigt und durch QR-Codes auch auf unseren Verein hinweist.

Am Zaun hängen auch 2 Briefkästen: In dem einem liegt ein Gästebuch, das die Möglichkeit bietet Kommentare und Meinungen zum Gefängnis nieder zu schreiben.
Mit dem anderen Briefkasten möchten wir Geschichten sammeln, ("Erzähl uns deine Geschichte zum Gefängnis") und somit den Menschen ein "Gehör" bieten ihre Erfahrung zu teilen.

Noch sind die Briefkästen leer. Wir sind gespannt, ob sich das bald ändert.

Für Mitte April sind weitere Aktionen geplant. Dabei soll Besuchern und Besucherinnen auch der Zutritt ins Gefängnis ermöglicht werden, um über die repressive Geschichte der NS-, SBZ- und DDR-Zeit zu informieren und daran zu gedenken.