„Ein gut gehütetes Geheimnis ...“

Gemeinsam mit de BStU-Außenstelle Chemnitz lädt der Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. ein zu:

 

„Ein gut gehütetes Geheimnis ...“

Die U-Haft der Stasi in Leipzig von 1952 bis 1990

Die Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig befand sich in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum.
Ihr Standort blieb vielen Leipzigern verborgen. Im Rahmen seiner Masterarbeit am Historischen Seminar der Universität Leipzig erforschte Martin Albrecht die Geschichte des Gefängnisses von seiner Entstehung 1952 bis zur Auflösung 1989/90. Hierfür wertete er Stasi-Unterlagen aus, führte Interviews mit ehemaligen Inhaftierten und erstellte erste Häftlingsstatistiken. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Ent­wicklung der Haftanstalt sowie die Haft­bedingungen.

Vortrag
Referent: Martin Albrecht, M. A.

Moderation:
Dr. Clemens Heitmann

Veranstaltungsort:
Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium | Aula
Hohe Str. 25, 09112 Chemnitz

Beginn: 18.30 Uhr

Der Eintritt ist frei.

 

Downloadmöglichkeit des Veranstaltungsflyers

stasi u haft leipzig

 

Museumsnacht 2012 - ein grandioser Erfolg für unseren jungen Verein


Am 5. Mai 2012 öffnete unser Verein im Rahmen der Museumsnacht zum ersten Mal den - nach unseren Vorstellungen künftigen - Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis. Bereits vor 18.00 Uhr bildete sich am Eingang eine lange Schlange, die im Verlaufe der Museumsnacht auf mehrere hundert Meter anwuchs und für reichlich Aufmerksamkeit in den Medien sorgte.

Insgesamt 2300 Besucherinnen und Besuchern ermöglichten wir an diesem Tag, das ehemalige MfS-Gefängnis zu besichtigen. Mit unerschütterlicher Geduld und enormer Ausdauer schilderten unsere Zeitzeugen Sabine Popp, Wolfgang Looß, Wolfgang Lötzsch und Maik Reinhardt immer wieder den Besuchern ihre Erlebnisse während ihrer Haftzeit auf dem Kaßberg. Ergänzt wurden die Erlebnisberichte durch die nicht weniger eindringlichen Schilderungen des Historikers Jan Philipp Wölbern. Lange nach Ende der "offiziellen Museumsnacht" um 1.00 Uhr konnten wir erschöpft und unglaublich zufrieden registrieren, dass wir jedem Besucher - egal ob aus Chemnitz, Nürnberg oder sogar Berlin -, der das Gefängnis besichtigen wollte, dies letztendlich auch ermöglicht haben.

Wir möchten uns hier ganz herzlich bedanken:

  • bei allen Besuchern, die trotz Regenwetters manchmal mehr als zwei Stunden ausharrten, bis sie eingelassen werden konnten
  • bei den unermüdlichen Helfern, die an der Kasse oder im Außengelände mit Freundlichkeit und unerschütterlicher Gelassenheit dafür sorgten, dass der Abend trotz fehlender Ablösung zu solch einem Erfolg werden konnte
  • bei allen Spendern, die 'ein paar Cent für die Stromrechnung' in unsere Spendenbox steckten. Meist waren es mehr als die '10 Cent für eine halbe Kilowattstunde', so dass wir glücklicherweise nicht nur die Stromrechnung bezahlen können.

Wir fühlen uns in unserem Anliegen bestätigt und versprechen an dieser Stelle, weiterhin mit all unserer Kraft dafür zu arbeiten.

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"Ab nach Schwedt!"

Buchvorstellung: Die Geschichte des DDR-Militärstrafvollzugs

Eine Veranstaltung aus der Reihe "Neue Forschungen zur SED-Herrschaft und MfS-Geschichte".

„Ab nach Schwedt!“ war eine Drohung, die Angst und Schrecken unter den Soldaten der Nationalen Volksarmee auslöste. Seit 1968 existierte in der kleinen Stadt an der Oder das einzige Militärgefängnis der DDR, 1982 entstand daraus die berüchtigte und mythenumwobene Disziplinareinheit der NVA. In der DDR war „Schwedt“ ebenso ein Tabuthema wie Geheimpolizei MfS.

Der Historiker Rüdiger Wenzke hat erstmalig die Intentionen zur Schaffung eines speziellen militärischen Strafvollzuges untersucht. Er beschreibt dessen Anfänge bei der Volkspolizei sowie die Gefängnisorganisation und gibt einen Einblick in den Alltag der Gefangenen.

Der Eintritt ist frei.

ZeitDonnerstag, 19. April 2012, 20.15 Uhr

Ort: Thalia-Buchhandlung
Neumarkt 2
09111 Chemnitz

Veranstalter Thalia-Buchhandlung
Neumarkt 2
09111 Chemnitz
Telefon: (0371) 66 61 50
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!"

wenzke schwedt


Gefangen auf dem Kaßberg. Zeitzeugen berichten über ihre Haftzeit im größten Stasi-Gefängnis der DDR

Am 8. März 2012 informierte unser Verein das erste Mal öffentlich über seine Arbeit und seine Ziele. In der Aula des Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasiums wurden bisher unveröffentlichte Aufnahmen des Gefängnisses gezeigt werden und der DDR-Radsportler Wolfgang Lötzsch sowie Sabine Popp schilderten ihre Erinnerungen an die Haftzeit. Der Historiker Jan Philipp Wölbern berichtete, welche Dimension der Häftlings-Verkauf von Ost nach West hatte: Die Haftanstalt auf dem Chemnitzer Kaßberg war das größte Gefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit in der DDR. Dort waren zahllose politische Gefangene für die Zeit der „Untersuchungshaft“ eingesperrt und dort verbrachten diejenigen Menschen ihre letzten Tage in der DDR, die im Zuge des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik abgeschoben wurden. Denn im Jahr 1963 hatten die Bundesregierung und die Partei- und Staatsführung der DDR einen weltweit einmaligen Menschenhandel vereinbart: Aus den Gefängnissen der DDR wurden im Laufe der folgenden Jahre mehr als 33.000 überwiegend politische Gefangene entlassen, von den die meisten direkt in die Bundesrepublik abgeschoben wurden. Im Gegenzug erhielt die DDR Geld und Waren im Wert von etwa 3,5 Milliarden D-Mark.
Abschließend wurde von Vorstandsmitgliedern der Verein und seine Zielsetzungen vorgestellt und zur Chemnitzer Museumsnacht 2012 in das Kaßberg-Gefängnis eingeladen.

gefangen kassberg klein

 

Zelleninformatoren. Die Spitzel der Staatssicherheit in der Untersuchungshaft

Frau Jenny Schekahn und Herr Dr. Tobias Wunschik von der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR berichteten am 8. Februar 2012 im Chemnitzer DAStietz über neue Erkenntnisse über die Tätigkeit, die Deliktstruktur sowie das soziale Profil sogenannter Zelleninformatoren. Hier dazu eine kurze Zusammenfassung:

Ein besonders perfides Mittel, um Belastungsmaterial gegen politisch Verfolgte zu erlangen, war der Einsatz so genannter Zelleninformatoren (ZI) durch Staatssicherheit und Kriminalpolizei. Es handelte sich um spezielle inoffizielle Mitarbeiter, die in den Untersuchungshaftanstalten tätig waren. Hierfür wurden einzelne Gefangene ausgewählt und beauftragt, sich das Vertrauen bestimmter Leidensgefährten zu erschleichen. Diese sollten sie beiläufig oder unter dem falschen Versprechen der Verschwiegenheit aushorchen und die gewonnenen Informationen der Staatssicherheit übermitteln.

Zelleninformatoren wurden besonders dann eingesetzt, wenn Beschuldigte in den Vernehmungen nicht gleich unter Druck gestanden. Nach einer Phase zermürbender Isolationshaft zogen dann tatsächlich viele Häftlinge den neuen Mitinsassen in das Vertrauen, wenn sie mit einem Zelleninformator zusammengelegt wurden. So konnten manche „Täter" von der Staatssicherheit doch noch „überführt" werden.

Zelleninformatoren der Staatssicherheit unterlagen als Häftlinge selbst politischer Verfolgung (und waren insoweit Opfer), wurden in der Ausnahmesituation der Haft aber auch zu Tätern, weil sie andere „ans Messer lieferten". Viele ließen sich rasch nach der Festnahme anwerben. Ihr Hauptmotiv lag wohl in der Hoffnung auf eine Verkürzung der Haftdauer, obwohl die Führungsoffiziere ihnen dies eigentlich gar nicht zusagen durften. Wenngleich viel später als von ihnen selbst erhofft, konnten die Zelleninformatoren im Allgemeinen ihre Freiheit jedoch rascher wiedererlangen als die von ihnen belasteten Mitgefangenen.

Weitere Motive kamen hinzu: So waren angesichts der Entbehrungen der Haft auch andere Zugeständnisse attraktiv, wie etwa ein ausnahmsweise gestatteter Besuch der Familienangehörigen. Die psychologisch geschulten Führungsoffiziere verstanden es zudem, sich das Vertrauen mancher Häftlinge zu erschleichen, um sie dann anzuwerben.

Eine etwaige Anwerbung unter Druck wurde in den Akten der Staatssicherheit natürlich kaum protokolliert, doch erlaubten die Rahmenbedingungen dies ohne weiteres. Besonders standhafte Häftlinge hingegen verweigerten den Verrat an ihren Leidensgefährten oder erklärten sich lediglich bereit, etwaige Suizidabsichten von Mitgefangenen zu melden. Aufgrund der Ausnahmesituation der Haft ist hier jede Spitzeltätigkeit anders zu bewerten als außerhalb der Gefängnismauern.

((von Jenny Schekahn, BStU und Tobias Wunschik, BStU)

zelleninformatoren

 

"Karierte Wolken" und "Wege durchs Niemandsland. Rücksichten eines Freigekauften"

Am Donnerstag, den 19. Januar 2012, war Matthias Storck, begleitet von seiner Frau Christine Storck, im GRÜNEN SALON in Chemnitz zu Gast. Der heute in Herford lebende Pfarrer wurde in der DDR als Oppositioneller inhaftiert und verbrachte eine erste Haftzeit in Cottbus. 1980 schließlich stand fest, dass er freigekauft werden würde. Wie die meisten Häftlinge, die für den Freikauf vorgesehen waren, kam er in das Gefängnis auf dem Kaßberg in Karl-Marx-Stadt.

Mehr Informationen finden Sie hier: http://www.giegengack.de/
kariertewolken