Lesch, Wolfgang

Wolfgang Lesch

 

Wolfgang Lesch wurde am 12. April 1954 in Karl-Marx-Stadt geboren.

Welchen Bezug hatte der Zeitzeuge zum Kaßberggefängnis?

Wolfgang Lesch war vom 1. April 1970 bis zum 24. April 1970 in der MfS-Untersuchungshaftanstalt auf dem Chemnitzer Kaßberg inhaftiert.

Kurzbiographie des Zeitzeugen:

Wolfgang Lesch wurde am 12. April 1954 als viertes Kind einer Arbeiterfamilie in Karl-Marx-Stadt geboren. Von den Ereignissen des Prager Frühlings 1968 und der Gesellschaftskritik seines Vaters geprägt, stellte er als Jugendlicher zusammen mit drei Freunden Plakate und Flugblätter her. Inspiriert durch den Besuch des Bundeskanzlers Willy Brandt in Erfurt im Jahr 1970 wurde eine weitere Flugblattaktion der Heranwachsenden geplant. Die Losung „Russen raus aus Deutschland – fordert Wiedervereinigung Deutschlands" sollte auf Flugblätter aufgebracht und am 2. April 1970 vom Harrasfelsen in Braunsdorf aus verbreitet werden. Doch die geplante Aktion wurde an das MfS verraten und Lesch am 1. April 1970 als 15-jähriger in der Schule verhaftet. Er wurde im Kaßberg-Gefängnis eingesperrt, wo er seinen 16. Geburtstag verlebte bis er am 24. April 1970 entlassen wurde. Als Straftatbestand wurde „Staatsverleumdung" festgesetzt.

In der Folgezeit beendete Wolfgang Lesch seine Schullaufbahn und wurde als Lehrling bei der Deutschen Reichsbahn eingestellt. Nachdem er zuvor als „Staatsfeind" für nicht wehrtauglich befunden wurde, verpflichtete er sich nach seiner Lehre für drei Jahre bei der NVA, da ihm versprochen wurde sein Vergehen aus seiner Vita zu tilgen. Bei der Bahn war er in der Wendezeit mitverantwortlich für die Entlassung von ehemaligen Mitarbeitern des MfS.

Wolfgang Lesch ist heute Betriebsrat. Er engagiert sich als stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP Chemnitz, Stadtrat sowie Vorsitzender der Liberalen Arbeitnehmer Sachsen e.V.