Schlosser, Michael

Michael Schlosser vor dem Nachbau seines Fluchflugzeuges

 

Michael Schlosser wurde am 17.02.1944 in Triptis/Thüringen geboren.

Welchen Bezug hatte der Zeitzeuge zum Kaßberg-Gefängnis:

Michael Schlosser wird am 28.10.1983 wegen „Vorbereitung zum ungesetzlichen Grenzübertritt im schweren Fall“ in Untersuchungshaft gebracht, deswegen am 30.04.1984 zu 4 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt und in Bautzen I inhaftiert. Am 24.10.1984 wird er nach Karl-Marx-Stadt in die Stasi-Abschiebehaft verlegt und schließlich am 05.12.1984 von der BRD freigekauft.

 

Kurzbiografie des Zeitzeugen:

„Der Flug sollte in der Morgendämmerung des 11.11.1983 stattfinden“

Mehrere Male hatte Michael Schlosser, gelernter KFZ-Mechaniker, eine Lizenz für eine eigene Autowerkstatt beantragt. Immer wieder wurde sein Ersuch abgeschmettert.

Im Herbst 1980 entzündete eine Reklame des Springerverlags eine gewagte Idee bei Michael Schlosser. Demjenigen DDR-Bürger, der mit einem Hubschrauber auf dem Springerhochhaus landen würde, sollten eine Million D-Mark gehören. Der geschickte KFZ-Mechaniker witterte seine Chance den Zwängen im SED-Staat zu entfliehen. Er würde sich seinen Traum von der eigenen Werkstatt im Westen erfüllen.

In einem zur Tarnung erbauten Hühnerstall erschloss sich Schlosser autodidaktisch, unter Zuhilfenahme der DDR-Zeitschrift „Armeerundschau“, oder durch die Beobachtung von Agrarfliegern, die Konstruktion eines Flugzeuges – konzipiert für eine Flugweite von 18 km Luftlinie. Von einer Wiese nahe der A9 sollte das Motorflugzeug den Grenzkontrollpunkt Hirschberg (Osttühringen) überfliegen und in Rudolphstein (Nordfranken) in der Freiheit landen. Der Flug fand jedoch nie statt, …

Am 28.10.1983 fingen Mitarbeiter der Staatssicherheit Michael Schlosser um 8:55 Uhr bei der Arbeit auf dem Betriebshof des DDR-Fernsehens in Dresden ab und brachte ihn in Untersuchungshaft. Zwei Arbeitskollegen, denen er privat öfters bei der Reparatur ihrer Autos behilflich gewesen war und die wohl bei diesen Gelegenheiten sein Grundstück ausspioniert hatten, waren seinen Fluchtplänen auf die Schliche gekommen. Der Verrat durch die Inoffiziellen Mitarbeiter zerstörte schlagartig alle Hoffnungen auf einen Neuanfang.

Am 30.04.1984 wurde Michael Schlosser auf dem Kreisgericht Dresden-Ost wegen „Vorbereitung zum ungesetzlichen Grenzübertritt im schweren Fall“ zu 4 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt. Der KFZ-Mechaniker wurde in Bautzen I inhaftiert und am 24.10.1984 mit Sonderdokument nach Karl-Marx-Stadt in die Stasi-Abschiebehaft verlegt.

Nach dem Schlosser am 05.12.1984 von der BRD freigekauft wurde, erfüllte er sich im Westen seinen Traum von der eigenen KFZ-Werkstatt. Doch selbst dort wurde er von der Stasi weiterhin beobachtet, wie er später erfuhr.

2004 kehrte Schlosser nach Sachsen zurück, sah seine Stasi-Akten ein und arbeite seine Vergangenheit auf. Heute engagiert er sich als Führer für Besuchergruppen in der Dresdner „Gedenkstätte Bautzner Straße“.


Ein Nachbau seines Fluchtflugzeuges ist mittlerweile in der besagten Gedenkstätte zu besichtigen.