Zimmermann, Frieder

Frieder Zimmermann

 

Frieder Zimmermann wurde am 18.01.1952 in Annaberg-Buchholz geboren.

Welchen Bezug hatte der Zeitzeuge zum Kaßberg-Gefängnis:

Frieder Zimmermann wurde am 01.04.1987 wegen „§ 220 - öffentliche Herabwürdigung der staatlichen Ordnung“ im Kaßberg-Gefängnis inhaftiert. Er erhielt dafür ein Strafmaß von 8 Monaten.

 

Kurzbiographie des Zeitzeugen:

Frieder Zimmermann absolvierte nach dem Abschluss an der Polytechnischen Oberschule eine Ausbildung zum Bäcker. Da er aber von jeher militärisch interessiert war, arbeitete er nach Abschluss der Berufsausbildung lediglich 2-3 Monate in diesem Beruf und entschloss sich dann zur Armee zu gehen.

Nach Entlassung aus der Armee wollte er nicht mehr als Bäcker arbeiten. Das Wehrkreiskommando Annaberg-Buchholz vermittelte ihn zur „Gesellschaft für Sport und Technik“ (GST). Dort war er vor allem verantwortlich für das Sportschießen im gesamten Annaberger Kreis. 1975 wurde ihm nahegelegt aufgrund seines Amtes in die Partei einzutreten. Da Frieder Zimmermann sehr gern in seinem Beruf arbeitet, kam er dem nach. Er besuchte verschiedene Lehrgänge und wurde Oberinstrukteur. Frieder Zimmermann beendete jedoch 1980 seine Arbeit bei der GST, schulte zum Facharbeiter für Bergbautechnologie um und arbeite bei der Wismut GmbH. Da ihm die Parteizugehörigkeit nun nicht mehr notwendig erschien wollte Frieder Zimmermann 1982/1983 aus der Partei wieder austreten. Daraufhin folgten mehrere betriebliche Aussprachen in denen ihm verdeutlicht wurde, dass er nicht aus der Partei austreten könne. Vielmehr schließe die Partei ihn nun aus. Es folgte die Kürzung der Jahresendprämie und der Betrieb drohte den Ausschluss aus der Brigade. Doch der Brigadier stand hinter ihm. Dennoch: Unzufriedenheit über das System der DDR machte sich bei ihm breit.

1986 beantragte Frieder Zimmermann eine 10-tägige Besuchsreise in den Westen, anlässlich des Geburtstages seines kranken Onkels. Er durfte 9 Tage ausreisen. Sein Onkel litt an Lymphknotenkrebs. Sollte sich sein Zustand verschlimmern, bat Zimmermann die zuständige Ärztin bei seiner Abreise vorsorglich um ein amtlich beglaubigtes Attest, welches er seinem Staat als Besuchsgrund vorlegen könne. Im September 1986 wurde ihm das Attest zugesandt. Die zuständigen Behörden der DDR bezweifelten die Echtheit des Attestes. Daraufhin beantragte die Familie am 08.10.1986 die Ausreise, um den kranken Onkel pflegen zu können. Mit Briefen an Honecker und den Minister des Inneren Dickel bat er um Unterstützung seines Anliegens. Dem Ausreiseantrag folgten mehrere Aussprachen beim Rat des Kreises - Abteilung Inneres. Bei einer solchen Aussprache am 01.04.1987 bezeichnete Zimmermann die DDR als einen unmenschlichen Staat. Daraufhin wurde er noch am selben Tag mit den Worten, er solle zur Klärung eines Sachverhaltes mitkommen, nach Chemnitz in die U-Haft des Kassberg-Gefängnisses abtransportiert. Erst am folgenden Tag erfuhr er vom zuständigen Haftrichter den Grund seiner Verhaftung: § 220 - „öffentliche Herabwürdigung der staatlichen Ordnung“. Für die juristische Unterstützung seines Falls wurde ihm eine vorbereitete Vollmacht für den Anwalt Dr. Vogel unterbreitet. Er unterschrieb.

Frieder Zimmermann saß vom 02.04. 1987 bis Ende Juni im Kaßberg-Gefängnis. Außer seinen Zellengenossen, sah er im Gefängnis nie einen anderen Gefangenen, auch nicht auf dem Weg zum Freigang, da alle Wege im Trakt per Ampelschaltung geregelt wurden. Die erste Woche nach der Verurteilung verbrachte er in der angrenzenden U-Haft des Ministeriums des Inneren. Den Rest seiner Haftzeit verbrachte Zimmermann im Strafvollzug auf der Reichenhainer Str. in Chemnitz. Da nach der Amnestie 1987 dort viele Kriminelle Gefangene entlassen wurden, wurde er dort als Erzieherbereichsältester eingesetzt. Sein Arbeitsplatz war die Umkleide und die Nebenküche zwischen dem Gefängnis und dem Arbeitsbereich. Hier konnte er sich freier bewegen als andere Mitinsassen und hatte auch die Möglichkeit Essen zu schmuggeln.

Am 03.12.1987 wurde Frieder Zimmermann schließlich entlassen. In der Abteilung für Inneres wurde ihm mitgeteilt, dass seinem Ausreiseantrag nach seinem Willen entsprochen wurde. Frieder Zimmermann fuhr damals zum Gefängnis zurück und zeigte ein vereinbartes Zeichen vor dem Strafvollzug, um den im Ungewissen gelassenen Mithäftlingen zu signalisieren, dass es für ihn Richtung Westen ginge. Noch bis zum 15.12.1987 musste die Familie, die auf gepackten Koffern saß, warten bis endlich Bewegung in die Angelegenheit kam. Zimmermann erhielt einen Laufzettel, um sich bei allen Behörden abzumelden.

Am 04.01.1988 wurde dann die gesamte Familie einbestellt und der DDR-Staatsbürgerschaft entlassen. Am 05.01.1988 war die Familie schlussendlich ausgereist. Der Onkel war jedoch bereits verstorben. Die Familie übernahm das Haus des Onkels in Waldaschaff bei Aschaffenburg. Frieder Zimmermann und seine Frau fanden recht schnell eine neue Arbeit und gewöhnten sich gut in ihr neues, freies Leben ein.

„Ich konnte mich dort entfalten“, so Frieder Zimmermann.