17. Juni: „Es lebe die Freiheit, es lebe die Demokratie!“ – Schülerinnen und Schüler appellieren zum Jahrestag des Volksaufstands

Am Mittwoch, dem 17. Juni, 11 Uhr erinnerte die Stadt Chemnitz gemeinsam mit der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e. V. (VOS Sachsen) und dem Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e. V. am Gedenkort an den Volksaufstand in der DDR im Jahre 1953, der sich zum 73. Mal jährte.


Die Gedenkveranstaltung ist den politisch Verfolgten in der Sowjetischen Besatzungszone in den Jahren 1945 bis 1949 und der späteren DDR sowie allen Opfern von stalinistisch geprägten Diktaturen nach 1945 gewidmet. Um den 17. Juni 1953 herum kam es in fast allen Städten der DDR zu Streiks, Massen-Demonstrationen und politischen Protesten. Sie richteten sich gegen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sowie gegen die Repressionen des SED-Regimes. Der Aufstand wurde schließlich von staatlichen Sicherheitskräften und dem sowjetischen Militär blutig niedergeschlagen.

Neben dem Oberbürgermeister Sven Schulze richtete Dr. Nancy Aris, Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Grußworte an die mehr als 300 Gäste. Sie ordneten den 17. Juni als eine der bedeutendsten Protestbewegungen der deutschen Nachkriegsgeschichte ein. Anschließend sprach Holker Thierfeld, Vorsitzender der Bezirksgruppe Chemnitz der VOS Sachsen, und bat die Anwesenden um eine Schweigeminute. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Carolin Beyer und Stasya Timanowskaja, zwei Streicherinnen der Musikschule Chemnitz. Anschließend wurden an der Gedenkstele in der Hohen Straße Gedenkkränze und Blumen niedergelegt.

Höhepunkt der Gedenkveranstaltung war der bewegende Redebeitrag von Nelia Strischewski und Tim Kinder. Die Schüler des Karl-Schmidt-Rotluff-Gymnasiums machten deutlich, dass Erinnerungskultur nicht nur dem Blick in die Vergangenheit dient, sondern auch Orientierung für Gegenwart und Zukunft gibt und die Auseinandersetzung mit diktatorischen Systemen auch aktuell wichtig bleibt. Nelia Strischewski beleuchtete außerdem die weibliche Seite des Volksaufstands, die oft unsichtbar bleibt. Die Jugendlichen schlossen mit dem einstimmigen Appell: „Es lebe die Freiheit, es lebe die Demokratie!“

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung nahmen mehr als 60 Schülerinnen und Schüler verschiedener Chemnitzer (Berufs-)Schulen an Überblicksführungen durch die Dauerausstellung des Lern- und Gedenkorts teil. Unsere Zeitzeugen André Fischer, Hartmut Leimcke und Maic Petersohn begleiteten die Gruppen und berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen mit MfS-Untersuchungshaft und dem deutsch-deutschen Häftlingsfreikauf im ehemaligen Kaßberg-Gefängnis.

Fotos: Pressestelle Stadt Chemnitz | Walter A. Müller-Wähner sowie Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V.

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