
Auf Einladung unseres Vorstandsmitglieds Hanka Kliese war heute Vormittag das Kulturforum der Sozialdemokratie mit einem Podiumsgespräch in unserem Lernort zu Gast. Aus Anlass des heutigen 9. Novembers diskutierten die Holocaust-Überlebende Renate Aris, der Historiker Dr. Burkhard Jellonek, die Schülerin Thekla Schneider und unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Kristina Hahn unter der Überschrift „Wie wollen wir in Zukunft erinnern?“. Zuvor hatte Martin Dulig, Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie Sachsen, in seinem Grußwort an die mit Pogromnacht und Mauerfall widersprüchlichen Bedeutungen des Datums und die Singularität des Holocaust erinnert. Renate Aris berichtete in ihrem Redebeitrag über ihre Kindheit in der Zeit der nationalsozialistischen Judenverfolgung und von ihrer Arbeit als Zeitzeugin.
Die lebenden Generationen heute, sagte Renate Aris, treffe keine Schuld, aber sie seien in der Pflicht, dass Ähnliches in Deutschland und der Welt nicht wieder geschehe. Dabei brachte sie auch ihre Besorgnis über Schlussstrich-Forderungen und Relativierungen, wie sie sich im Gefolge rechtsextremer Meinungen verbreiteten, und vor dem Anwachsen des Antisemitismus nach dem Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 zum Ausdruck.
Das Gedenken – so der Tenor im Podium – werde unter diesen Bedingungen und angesichts des Verschwindens der Zeitzeugen-Generation schwieriger und müsse neue Formen finden. In der Vermittlung müsse es noch stärker um konkrete Schicksale und Empathie mit den Verfolgten gehen. Gedenken müsse dorthin gehen, wo die jungen Leute sind, etwa Social Media, auch wenn die Absicht nicht Unterhaltung sein dürfe, sondern ein Erinnern mit Würde.
Einig waren sich die Teilnehmenden auch darin, dass die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus in den Schulen früher als bislang beginnen müsse. In der Klassenstufe 8, sagte Thekla Schneider, habe sich bei vielen bereits eine politische Meinung herausgebildet. Auch die Gruppen, denen Wissen vermittelt werden solle, würden in unserer pluralen Gesellschaft immer vielfältiger. Einbezogen werden müssten beispielsweise auch Migranten oder im universitären Bereich Gaststudierende.
Teilnehmende der Veranstaltung waren auch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, Dr. Ruth Röcher, und Prof. Dr. Rafael Wertheim, früherer Bürgermeister der israelischen Partnerstadt von Chemnitz, Kiryat Bialik, und Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Chemnitz.
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Unsere Bilder, fotografiert von Robert Schröpfer, zeigen Dr. Burkhard Jellonek, Hanka Kliese, Renate Aris, Kristina Hahn und Thekla Schneider (v.l.), außerdem Martin Dulig und Renate Aris bei ihren Grußworten und einen Blick ins Auditorium.
Heute Nachmittag nimmt unser Lern- und Gedenkort an der offiziellen Gedenkveranstaltung von Stadt Chemnitz und Jüdischer Gemeinde sowie an den Lichterwegen des Vereins Buntmacher*innen teil.
Wir danken dem Kulturforum der Sozialdemokratie für den Besuch und die freundliche Zusammenarbeit.


