
Neben dem Wismut-Vortrag am Donnerstagabend, unseren Bildungsveranstaltungen und individuellen Ausstellungsbesucherinnen und -besuchern gab es in unserem Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis in dieser Woche eine Reihe besonderer Rundgänge. Am Samstag informierten sich Mitglieder des Landesverbands Sachsen des Deutschen Juristinnenbundes in einer Führung mit unserer Vorständin und Mitbegründerin Hanka Kliese über die doppelte Diktaturgeschichte des einstigen politischen Haftorts, den Häftlingsfreikauf aus der DDR und die Gedenkstättenkonzeption. Bereits am Donnerstag hatte unser Vereinsvorsitzender Jürgen Renz amerikanische Gäste in unserem Lernort im früheren Hafttrakt B begrüßt. Ein Gesprächsthema mit der Familie aus Los Angeles, deren Tochter ein Austauschjahr in Deutschland verbringt, war neben der deutschen Geschichte auch die gegenwärtige Situation in den Vereinigten Staaten.
Ebenfalls Samstag fand – moderiert von unserer wissenschaftlichen Leiterin Dr. Steffi Lehmann und im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Chemnitzer Wismut-Netzwerks – eine Zeitzeugenführung mit Frieder Zimmermann statt. Der damalige Wismut-Bergmann, Jahrgang 1952, war im April 1987 im Kaßberg-Gefängnis inhaftiert worden, nachdem er aus der SED ausgetreten war und einen Ausreiseantrag gestellt hatte. Er wollte im Westen einen schwer erkrankten Onkel pflegen und hatte die DDR nach der Ablehnung seiner Ausreise unmenschlich genannt. Wegen angeblicher „öffentlicher Herabwürdigung“ wurde er zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Zum Strafvollzug wurde er in die Reichenhainer Straße gebracht. Nach der Entlassung im Dezember 1987 ließen die Behörden die Familie ziehen. Der pflegebedürftige Onkel war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben.
Unsere Fotos zeigen oben unseren Zeitzeugen Frieder Zimmermann (M.) im Gespräch mit Besucherinnen und Besuchern, außerdem unten unseren Vereinsvorsitzenden Jürgen Renz mit seinen amerikanischen Gästen sowie Eindrücke von der Führung mit Mitgliedern des Deutschen Juristinnenbunds und noch einmal die Zeitzeugenführung mit Frieder Zimmmermann und unserer wissenschaftlichen Leiterin Dr. Steffi Lehmann.
Die Zeitzeugenführung war Teil der gemeinsamen Veranstaltungsreihe des Chemnitzer Wismut-Netzwerks und wurde mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.
Wir danken außerdem Andrea Kirberger vom Deutschen Juristinnenbund und Susanne Köhler vom Landesfrauenrat Sachsen für die freundliche Zusammenarbeit.





