„Chemnitz liest Heym“: Romane und eine Erzählung im Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis

Veröffentlicht in: Aktuelles, Chemnitz 2025, Lesung, Unsere Partner | 0

Mit einer Lesung aus Werken Stefan Heyms wurde heute Abend im Rahmen des Lesemarathons „Chemnitz liest Heym“ zum Kulturhauptstadtjahr auch in unserem Lernort im früheren Hafttrakt B an den in Chemnitz geborenen und aufgewachsenen Schriftsteller erinnert. Unser Vereinsvorsitzender Jürgen Renz, unser Vorstandsmitglied Volkmar Zschocke sowie Kerstin und Henry Kreul, Vorstandsmitglied bzw. Mitglied des Programmbeirats der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft, stellten vor rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Romane „5 Tage im Juni“ und „Schwarzenberg“ und die Erzählung „Mein Richard“ vor. Im Anschluss gab es eine kurze Führung durch unsere Dauerausstellung.

„5 Tage im Juni“ erzählt vom Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR, „Schwarzenberg“ vom Kriegsende in der gleichnamigen Kleinstadt im Erzgebirge, die nach dem 8. Mai 1945 eine Zeitlang weder von amerikanischen noch sowjetischen Truppen besetzt worden war. In der Erzählung „Mein Richard“, die auf einer wahren Begebenheit beruht, geht es um zwei Jugendliche aus einer brandenburgischen Kleinstadt an der Mauer, die eine Möglichkeit finden, unentdeckt hinüber nach West-Berlin zu gelangen. Insgesamt 14-mal machen sie davon Gebrauch, um im Westen ins Kino zu gehen – und anschließend in den Osten zurückzuklettern.

Dennoch werden die beiden nach Entdeckung von der DDR-Justiz verurteilt. „,Wenn ich Sie gewesen wäre, Genosse Staatsanwalt, ich hätte einen Orden für die beiden Jungen beantragt.‘ – ,Wieso das?‘ sagte der Staatsanwalt. ,Weil sie, wie jetzt gerichtsnotorisch, vierzehnmal hintereinander ihre absolute Treue zu unserer Republik unter Beweis gestellt haben.'“

Stefan Heym (1913-2001) war als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Chemnitz zur Welt gekommen. Er besuchte das Gymnasium auf dem Kaßberg, unmittelbar neben dem damaligen Kaßberg-Gefängnis gelegen, bevor er wegen eines antimilitaristischen Gedichts die Schule verlassen und nach Berlin wechseln musste. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ging er ins tschechoslowakische, später amerikanische Exil und kehrte 1953 nach Deutschland – in die DDR – zurück. Anfangs privilegiert, geriet er spätestens Mitte der 1960er-Jahre mit dem Regime in Konflikt. Er wurde mit Publikationsverbot belegt und später aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen.

An diesem Wochenende erinnert die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft mit einer Reihe von Veranstaltungen in Chemnitz an den Literaten. Weitere Informationen darüber finden Sie, wenn Sie hier klicken.

Unsere Bilder, fotografiert von Robert Schröpfer, zeigen oben im Podium Henry und Kerstin Kreul, Jürgen Renz und Volkmar Zschocke (v.l.) sowie unten verschiedene weitere Eindrücke von der Lesung und vom Rundgang durch unseren Lernort im früheren Hafttrakt B.

Wir danken der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft für die freundliche Zusammenarbeit und unseren Ehrenamtlichen für ihr Engagement!

Link teilen