
Über 80 Besucherinnen und Besucher erwartete am Donnerstagabend im Lernort ein besonderer Zeitzeugenbericht: Krystina Hauck, 1970 im damaligen Karl-Marx-Stadt geboren, berichtete von ihrem spektakulären Fluchtversuch in einem umgebauten Opel Manta. Versteckt im Tank des Fahrzeugs sollte sie im November 1988 unentdeckt die Grenze der Tschechoslowakei nach Westdeutschland passieren. Doch der Fluchtversuch scheiterte. Die 18-Jährige wurde verhaftet und nach etwa zwei Wochen in Einzelhaft in einem tschechoslowakischen Gefängnis nach Karl-Marx-Stadt gebracht. Für die „versuchte Republikflucht“ erhielt Krystina Hauck eine Haftstrafe von einem Jahr und sieben Monaten im Haftarbeitslager Dessau.


Krystina Hauck kehrte mit ihrem Vortrag mutig an den Ort ihrer Untersuchungshaft zurück: ins ehemalige Kaßberg-Gefängnis. Über 30.000 politische Häftlinge der DDR wurden von hier aus durch die Bundesrepublik freigekauft. Doch Krystina Hauck gehörte leider nicht zu ihnen – obwohl sie einen Ausreiseantrag gestellt hatte und im Strafprozess vom Freikauf-Unterhändler Dr. Wolfgang Vogel vertreten wurde. Ausgerechnet der 9. November 1989 – der Tag, an dem die Mauer fiel – war ihr letzter Tag in Haft.
Nach der Grenzöffnung zog die junge Frau in die Bundesrepublik. Hier traf sie ihre Jugendliebe Holger wieder, welcher der Grund und Initiator ihres damaligen Fluchtversuchs war. Holgers Familie war 1988 der Ausreiseantrag bewilligt worden. Das daraufhin verhängte Einreiseverbot in die DDR machte den Verlobten für Krystina unerreichbar, darum ließ sie sich umstandslos auf das Wagnis im Opel Manta ein.


Zu Krystina Haucks eindrucksvollem Vortrag gehörte, dass sie ein baugleiches Modell des damaligen Fluchtfahrzeuges mitbrachte. Außerdem wurde sie von ihrem Freund Peter Härpfer, der die Umbauten damals mit durchführte, sowie von ihrer Tochter begleitet. Wir danken Frau Hauck für Ihren Besuch und den spannenden Einblick in ihre Biografie.
© Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V.