
Vom 24. bis zum 26. April 2026 fand der 29. Bundeskongress der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Bundesstiftung Aufarbeitung und der SED-Opfer-Beauftragten beim Deutschen Bundestag in Chemnitz statt. Der Kongress, der ein bundesweites Forum für die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur und ihren Folgen ist, stand dieses Jahr unter dem Motto „Orte bleiben – Die Rolle von Gedenkstätten für die Erinnerungskultur“. Wie gewohnt konnten bei der Tagung Betroffene von SED-Unrecht direkt mit Akteuren aus Politik und Aufarbeitungsinitiativen ins Gespräch kommen und sich vernetzen. Gemeinsam ging man der Frage nach, wie Erinnerungsorte und Gedenkstätten zukünftig die Erinnerung an politisch motiviertes Unrecht in der DDR gestalten können, wenn Zeitzeuginnen und Zeitzeugen allmählich fehlen und die Erfahrungen der Diktatur zunehmend verblassen.
Im Mittelpunkt des Tagungsprogramms standen die Besuche des ehemaligen DDR-Frauengefängnisses Hoheneck sowie unseres Lern- und Gedenkorts Kaßberg-Gefängnis, dem zentralen Abwicklungsort des Häftlingsfreikaufs aufseiten des ostdeutschen Regimes. In Exkursionen wurde erkundet, wie diese zwei Gedenkstätten die persönlichen Erfahrungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nutzen, um Vergangenheit und Gegenwart zukunftsorientiert miteinander zu verbinden.


Unser Lernort stand am Sonntag für die rund 150 Kongressteilnehmenden offen. Sie erhielten die Möglichkeit, Führungen durch die Dauerausstellung zu erleben, sich mit Vertretern des Trägervereins und dem Ausstellungskurator Peter Wellach auszutauschen sowie ihre eigenen Erfahrungen zu teilen – denn viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden selbst über den Kaßberg aus der politischen Haft freigekauft.

Den Abschluss des Bundeskongresses bildete eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der sowjetischen Militärtribunale (SMT). Ihnen wurde mit einer cellistischen Untermalung und einem Beitrag von drei Schülern des Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasiums bei einer anschließenden Kranzniederlegung gedacht. Eine bewegende Ansprache erfolgte durch Zeitzeuge Wolfgang Bischoff, der selbst 1978 im Rahmen des Häftlingsfreikaufs aus der DDR über den Kaßberg in die Bundesrepublik entlassen wurde. Dessen Vater Ernst Bischoff, ein Schlosser im Uranbergbau der SAG Wismut in Oberschlema, war einer von 22 Inhaftierten des Kaßberg-Gefängnisses, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs vom SMT zum Tode verurteilt wurden. Ernst Bischoffs Todesurteil wegen angeblicher Spionage wurde 1951 in Moskau vollstreckt.


© Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V.