
Mehr als 80 Besucherinnen und Besucher kamen gestern Abend in den Lernort, wo die Schriftstellerin Iris Wolff aus ihrem Roman „Die Unschärfe der Welt“ las. Die in Hermannstadt (Siebenbürgen) geborene Autorin spannt in ihrem Buch einen weiten Bogen von der Zwischenkriegszeit über das kommunistische Rumänien der Sechzigerjahre und die im Zerfall begriffene DDR bis ins Süddeutschland der Gegenwart. Poetisch thematisiert sie Verlust und Neuanfang anhand der bewegten Geschichte einer Familie aus dem Banat, deren Bande so eng geknüpft sind, dass sie selbst über Grenzen hinweg nicht zerreißen.
„Literatur funktioniert, indem man Wahrnehmung zur Verfügung stellt“, erklärte Iris Wolff und beschrieb nicht nur die Entstehungsgeschichte ihres Romans, sondern nahm die Anwesenden auch mit in ihren Schreibprozess. Im anschließenden Gespräch mit der Autorin standen sowohl die fiktiven Charaktere des Buches als auch die tatsächlichen Ausprägungen von Politik, Gesellschaft und Landschaft Rumäniens im Mittelpunkt.


Die Lesung war eine Veranstaltung des Herbert-Wehner-Bildungswerk e. V. in Kooperation mit Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V., ASA-FF e.V. und Bookcorner(n) und wurde von Dr. Gundel Große, Rumänistin und Literaturübersetzerin, moderiert. Unser Lernort knüpft damit an das Zeitzeugenprojekt zum Freikauf Rumäniendeutscher mit translations e.V. (Verein zur Förderung von Kultur und Demokratie Europas) an.


Vor der Veranstaltung besichtigte Iris Wolff unsere Dauerausstellung und hatte viele interessierte Fragen zur Freikaufhaft. Im Anschluss trug sie sich in unser Gästebuch ein. Wir danken Iris Wolff für ihren Besuch und den Kooperationspartnern für die freundliche Zusammenarbeit.
© Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V.