Na dann kann es ja losgehen ...

So viel Bewegung in Sachen Gedenkort wie in den ersten Junitagen des Jahres 2015 haben wir uns schon lange gewünscht. Und der Flashmob am 17. Juni vor dem Gefängnistor (siehe Foto oben) bewies .... wir sind bereit!

Aber der Reihe nach. Irgendwie scheint es fast so, als ob alles mit der kleinen Anfrage unsere Vereinsmitglieds Volkmar Zschocke im Landtag begonnen zu haben.

In der Antwort aus dem Wissenschaftsministerium war dann endlich mal nachzulesen, dass von den ursprünglich 900 000 EUR, die für die Errichtung des Gedenkortes zur Verfügung stehen immerhin noch reichlich 550 000 EUR übrig geblieben sind.

Noch interessanter war dann allerdings die Antwort auf eine zweite kleine Anfrage von Herrn Zschocke. Hier antwortete das Finanzministerium, dass ...

  • "...ein abschließendes Verhandlungsergebnis bislang nicht erreicht werden konnte, weil die notwendigen, umfangreichen und langwierigen Abstimmungsprozesse zur konkreten Ausgestaltung, Errichtung und dauerhaften Betreibung des Gedenkortes sowie zu den denkmalpflegerischen Belangen der Immobilie noch nicht vollständig abgeschlossen sind ..."
  • " ...alternativ zur Verpflichtung des Investors die Möglichkeit besteht, die Immobilie zu teilen und die vom Gedenkort nicht betroffene Teilfläche verpflichtungsfrei zu veräußern. Der Freistaat Sachsen erwägt diese
    Alternative, falls die bisherigen Veräußerungsbemühungen nicht zeitnah abgeschlossen werden können...."

Diese Informationen haben uns dann doch ziemlich überrascht, zumal doch in der Antwort des Wissenschaftsministerium zu lesen ist: "... Der Verein wurde über aktuelle Entwicklungen seitens der Stiftung informiert ..."

Es ist jedenfalls schön, dass kleine Anfragen als Instrumente der parlamentarischen Kontrolle gibt. Jedenfalls erzeugten diese Neuigkeiten eine ganze Menge Aufsehen in den sächsischen Medien:

Und tatsächlich erhielten wir auch kurze Zeit darauf eine Einladung zu einem Gespräch beim Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), dem gegenwärtigen Eigentümer der Immobilie. Nun sind wir mächtig gespannt. Wir sind bereit Verantwortung für den Gedenkort zu übernehmen, zuletzt hat das ja auch unser (schon länger geplanter) Flashmob am 17. Juni 2015 gezeigt Lächelnd!

Wir werden Sie hier über die weitere Entwicklung informieren und dafür bedarf es auch nicht erst einer kleinen Anfrage an uns.

 

 

Rückblick auf die vierte Museumsnacht

Geschafft! Unsere bereits vierte Museumsnacht liegt hinter uns und wir konnten unsere Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr sogar um 300 auf 1500 steigern. Das ist eine beeindruckende Zahl und wir hoffen,dass sie nun die Richtigen beeindruckt. Vor allem aber wollen wir DANKE sagen - für unermüdliches Kassieren, Videos an- und ausschalten, Schilder zurückbringen, Essen vorbereiten, Fragen zum Verein beantworten, Besucher führen, Menschen in der Schlange beschwichtigen, Spenden und Unterschriften einsammeln und Vieles Vieles mehr!

Wir sind sehr stolz, dass trotz der unklaren Lage so tatkräftige Helfer diese Nacht ermöglicht haben. Es ist uns eine Ermutigung, und die können wir gut gebrauchen. Wir haben versucht, im Vergleich zu den Vorjahren Einiges besser zu machen, Manches hat sogar geklappt. So konnten wir die Wartezeiten auf die Führungen diesmal auf nahezu null absenken, da wir mehr Personal für Führungen zur Entlastung der Zeitzeugen stellten. Dafür nochmal besonderen Dank an Christian Lieberwirth, der uns darin fachkundig einwies.

Etwas ganz Besonderes war in diesem Jahr die Beteiligung verschiedener Opfergruppen, dafür danke an Maik Reinhardt für den Kontakt. Die Lebensgeschichten zwangsadoptierter Kinder haben auch uns, die wir schon viel gelesen und gehört haben, zutiefst bewegt. Insgesamt waren wir sehr überrascht von dem großen Ansturm, waren doch erst zu den Tagen des Offenen Tores so viele Menschen dabei gewesen. Für uns ist das ein kraftvoller Rückenwind.

Im Namen des Vorstandes
Hanka Kliese

Endlich .... wir haben unser Schild!

Sieben Monate hat es gedauert, bis das Schild, das wir als Auszeichnung beim Wettbewerb der "Stiftung Lebendige Stadt" für die "lebendigste Erinnerungsstadt" erhielten, endlich den verdienten Platz am Gefängnistor gefunden hat. Endlich. Manche Dinge dauern schon ziemlich lange. Obwohl im Gegensatz zur Diskussion um die Errichtung eines Gedenkortes haben wir bei der Schildanbringung eigentlich noch ein ganz ordentliches Tempo an den Tag gelegt.

 

Zaunausstellung & Briefkästen

 

Studenten, die im Rahmen ihres Studiums zum Kaßberg-Gefängnis geforscht haben und die die Geschichte dieses historischen Ortes nich loslässt, haben mit und für unseren Verein eine "Zaunausstellung" angefertigt, die die ganze Geschichte des Gefängnis zeigt und durch QR-Codes auch auf unseren Verein hinweist.

Am Zaun hängen auch 2 Briefkästen: In dem einem liegt ein Gästebuch, das die Möglichkeit bietet Kommentare und Meinungen zum Gefängnis nieder zu schreiben.
Mit dem anderen Briefkasten möchten wir Geschichten sammeln, ("Erzähl uns deine Geschichte zum Gefängnis") und somit den Menschen ein "Gehör" bieten ihre Erfahrung zu teilen.

Noch sind die Briefkästen leer. Wir sind gespannt, ob sich das bald ändert.

Für Mitte April sind weitere Aktionen geplant. Dabei soll Besuchern und Besucherinnen auch der Zutritt ins Gefängnis ermöglicht werden, um über die repressive Geschichte der NS-, SBZ- und DDR-Zeit zu informieren und daran zu gedenken.

 

 

Wir sind Preisträger - Kaßbergverein wird von der "Stiftung Lebendige Stadt" geehrt

 

Unter 437 Bewerbungen aus dem In-und Ausland hat die Preisjury der Stiftung Lebendige Stadt die Bewerbung mit dem Titel "Kaßberggefängnis - Lernen und Gedenken" ausgewählt, um die Initiative am Abend des 18. September in der E.ON-Zentrale Essen auszuzeichnen.

Zur Stiftungspreisverleihung wurden die besten 16 Bewerbungen geladen. Preiswürdig waren Projekte, die einen Beitrag zur Erinnerungskultur einer Stadt und Kommune leisten. Gesucht wurden 2014 Projekte, die "mit Erinnerung Identität stiften und der Stadtentwicklung Grundlagen und Impulse geben."

Dem Stiftungsrat gehören u.a. Persönlichkeiten wie Matthias Platzeck, Arved Fuchs, Ingrid Mössinger und Burkhard Jung an.

Unser Verein erhielt eine Anerkennung.


Unsere Vereinsmitglieder Wolfgang Lötzsch, Sabine Popp, Florian Reichold und Hanka Kliese nahmen die Auszeichung entgegen. Sie waren bis zum heutigen Abend angehalten, Stillschweigen über die Preisverleihung zu bewahen.

Wir freuen uns außerordentlich über diese Anerkennung des Engagements unseres Vereins und seiner Mitglieder.

siehe auch: Pressemitteilung der Stadt Chemnitz

 

 

 

Stolpersteine vor dem Kaßberg-Gefängnis

Am Mittwoch, den 10. September 2014, wurden direkt vor dem Kaßberg-Gefängnis zwei Stolpersteine verlegt, die an weitere Opfer nationalsozialistischer Willkür erinnern. Der Kaufmann Leib Kleinberg und der Anwalt Hans Mire waren während der Nazi-Zeit in "Schutzhaft" auf dem Kaßberg untergebracht und nahmen sich dort aus Angst vor der Deportation im Jahr 1940 das Leben. Der Verein Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. dankt der Stadt Chemnitz für die Einladung zu der Stolpersteinverlegung und den Initiatoren und den Paten für Ihr Engagement, mit dem auch auf diese finstere Periode der Geschichte des Kaßberg-Gefängnisses hingewiesen wird. Die Stolpersteine befinden sich auf dem Kaßbergstraße in Höhe des Wachturms - am Standort des künftigen bisher geplanten Gedenkortes.

Unser Vorsitzender Jürgen Renz hat gemeinsam mit Veronika Brandt an der Gedenkveranstaltung teilgenommen und hielt dort im Namen des Vereins eine kurze Ansprache, in der er u.a. über die Aufklärungsarbeit unseres Vereins informierte.

Das Chemnitzer Kaßberg-Gefängnis war zu DDR-Zeiten für viele politische Gefangene das Tor zur Freiheit. Für Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten u.a. markierte es im "Dritten Reich" oftmals die letzte Etappe auf dem Weg ins Konzentrationslager. Auch darüber wollen wir in einer Gedenkstätte aufklären.

 

 

 

 

 

 

 

 

Enthüllung einer Informationstafel

Am Nachmittag des 17. Juni wurde im Beisein von ca. 30 geladenen Gästen von der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten in Anwesenheit Staatsminister und Chef der Staatskanzlei Dr. Johannes Beermann am Standort des zukünftigen Gedenkortes eine Informationstafel enthüllt.

Aussagen zur endgültigen Fertigstellung des Gedenkortes wurden nicht gemacht.

Unsere stellvertretende Vereinsvorsitzende Hanka Kliese begrüßte dies als einen ersten guten und richtigen Schritt zur Erinnerung an die Geschichte des Ortes, forderte aber zugleich in ihrem Grußwort im Namen aller Vereinsmitglieder und Zeitzeugen zu mehr Transparenz auf.