Gestaltung eines Gedenkortes beschlossen

Auf dem Chemnitzer Kaßberg soll zunächst ein Gedenkort an die größte Abschiebehaftanstalt der DDR erinnern. Wie die Stiftung Sächsische Gedenkstätten in Dresden mitteilte, wurde die Gestaltung eines Gedenkortes beschlossen.

Er soll nach dem Entwurf des Architektenbüros Berthold Weidner/Martin Bennis (Stuttgart/Berlin) umgesetzt werden.

Der Entwurf sieht vor, einen erhaltenen Wachturm und zwei Mauersegmente um fünf gleichhohe Informationselemente aus Glas zu ergänzen.

Die Kommission würdigte eigenen Angaben zufolge das "ausgewogene und würdevolle Gesamtkonzept". Besonders hervorgehoben wurde dabei der Umgang mit der historischen Bausubstanz.

Als positiv wurde außerdem bewertet, dass das Gedenken und das Informationsangebot getrennt werden.

(Quelle: http://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/gedenkort-auf-dem-kassberg100.html)

 

Hier sind auch die ersten Bilder zu sehen.

 

Studenten organisierten einen zeithistorischen Rundgang in und um das leerstehende Kaßberg-Gefängnis

Vier Studierende der Europa-Studien und der Europäischen Geschichte organisierten Ende Februar 2014 einen zeithistorischen Rundgang in und um das leerstehende Kaßberg-Gefängnis. Vom 27.02. bis zum 01.03.2014 fanden drei Führungen statt, an denen insgesamt rund 50 Studierende teilnahmen. Thema des Rundgangs war die Unterdrückung von Andersdenkenden, Unangepassten und RegimegegnerInnen in der Zeit von 1945 bis 1990 in Chemnitz/Karl-Marx-Stadt. Der Schwerpunkt lag dabei auf den Orten im Stadtgebiet, an denen Unrecht geschehen ist.
Dabei waren die OrganisatorInnen selbst die ExpertInnen für die fünf thematischen Stationen des Rundgangs. Die Idee für den Rundgang entstand in einem forschungsorientierten Geschichtsseminar an der TU Chemnitz. Das Seminar beschäftigte sich mit Repressionsorten in Chemnitz von 1945 bis 1990. Zu Beginn der Recherche wurde deutlich, dass kaum Literatur zu diesem Thema vorhanden ist. Aus diesem Grund beruhen die meisten Forschungsergebnisse der Studierenden auf Recherchen in Archiven und Gesprächen mit ZeitzeugInnen. Diese Ergebnisse bildeten die Grundlage des Rundgangs. Motivation für das Projekt war der Wunsch, diese noch kaum bekannten Themen der Chemnitzer Geschichte an Studierende der TU Chemnitz weiterzugeben.
Das Kaßberg-Gefängnis als Ort des Rundgangs zu wählen, beruht auf seiner stellvertretenden Funktion für alle Orte von Unterdrückung in Chemnitz. Zur Zeit der sowjetischen Besatzung so
wie zur DDR-Zeit wurden hier politische Häftlinge, zum Teil ohne Prozesse, festgehalten.
Der Rundgang begann vor dem eisernen grauen Tor des Kaßberg-Gefängnisses. Christian Lieberwirth führte in die Architektur und Geschichte des 1886 als Königlich-Sächsische Gefangenenanstalt gebauten Gefängnisses ein. Zu Zeiten der DDR war es für 370 Häftlinge ausgerichtet und somit das größte Gefängnis der DDR. Nach der Wiedervereinigung wurde das Gefängnis als Justizvollzugsanstalt weitergenutzt und teilweise umgebaut. Seit 2010 steht es wegen mangelnder Brandschutzvorkehrungen leer.
Veronica Scholz informierte über die Situation während der sowjetischen Besatzungszeit von 1945 bis 1949. Viele Jugendliche wurden damals fälschlicherweise verdächtigt, in der nationalsozialistischen Partisanen-Organisation „Werwolf" tätig gewesen zu sein. Diese Organisation sollte die Besatzungsmacht durch Terrorakte schwächen. Die Jugendlichen wurden oftmals für mehrere Jahre inhaftiert. Im Rahmen ihrer Recherche konnte Veronica Scholz fünf über die Stadt verteilte Haftkeller ausfindig machen. In diesen provisorischen Haftorten in Privathäusern oder Verwaltungsgebäuden wurden Verdächtige meist unter Gewaltanwendung verhört. Weiterhin wurde die Funktion des Kaßberg-Gefängnisses zur Zeit der sowjetischen Besatzung und der Weitertransport der Häftlinge in Speziallager durch die Besatzer erläutert. Ein Zeitzeuge veranschaulichte dies durch Schilderungen der verschiedenen Stationen seiner Gefangenschaft: Haftkeller, Kaßberg-Gefängnis und Arbeitslager in Sibirien.
Die nächste Station des Rundgangs knüpfte an das Thema Unterdrückung von Unangepassten an, verließ thematisch aber das Gefängnis. Amelie Stelzner informierte über die Heimerziehung in der DDR und die politisch motivierte Umerziehung der Heimkinder und -jugendlichen zu staatstreuen Menschen. In den Heimen lebten nicht nur Kinder, deren Eltern nicht für sie sorgen konnten. Auch Kinder, die oppositionelle Eltern hatten oder Jugendliche, die nicht angepasst waren, wie zum Beispiel Punks, lebten hier. Insgesamt haben rund 500 000 Kinder und Jugendliche das Heimsystem der DDR durchlaufen. In Chemnitz konnte Amelie Stelzner 27 Heime ausfindig machen. Es ist davon auszugehen, dass deutlich mehr existierten.
Im nächsten Abschnitt des Rundgangs wurde die besondere Bedeutung des Kaßberg-Gefängnisses für Gesamtdeutschland hervorgehoben. Es ging um den Häftlingsfreikauf, der von 1963 bis 1989 hauptsächlich über das Kaßberg-Gefängnis abgewickelt wurde. Dabei wurden mehr als 33 000 Häftlinge von der DDR an die Bundesrepublik verkauft. Die BRD bezahlte für sie Aufwendungen im Wert von 3,4 Milliarden DM. Auch diese Ausführungen wurden durch die persönliche Geschichte eines Zeitzeugen veranschaulicht.
In der fünften Station des Rundgangs widmete sich Theresa Kiunke der Rezeption dieser Vergangenheit, die für viele BesucherInnen kaum bekannt war. Ebenso unbekannt war die Gedenkstehle, die unweit vom Gefängnis und dem angrenzenden Justizkomplex in der Hohen Straße steht. Sie erinnert an die Opfer der Gewaltherrschaft von 1945 bis 1990. Vor Ort konnte sich die Gruppe ein Bild von der Stehle machen und deren Wirkung anschließend bei Kaffee und Tee in entspannter Runde im Haus Arthur diskutieren.
Viele äußerten, dass sie die Stehle als nicht ansprechend empfinden, da der geschichtliche und ortsbezogene Hintergrund kaum bekannt ist und an dem Denkmal auch nicht erklärt wird. Weiter wurde über die Nachnutzung des Kaßberg-Gefängnisses diskutiert. Das Gefängnis hätte per se eine stärkere Wirkungskraft als der Gedenkstein. Es würde sich anbieten hier eine Gedenkstätte einzurichten, um über das stattgefundene Unrecht aufzuklären. Auch die Zeitzeugen bestärkten die jüngeren Generationen, die Erinnerungsarbeit fortzusetzten.

Auf Grund der großen Nachfrage sind weitere Rundgänge in Planung. Zusätzlich soll das Thema auch für andere Zielgruppen, wie Schulkinder und Chemnitzer BürgerInnen, aufbereitet werden.
(von Veronica Scholz, Amelie Stelzner, Theresa Kiunke)

 

 

 

 

 



 

Das Kaßberg-Gefängnis als Fotobjekt

Christian Sünderwald war der erste Fotograf, der uns mit der Anfrage überraschte, das Kaßberg-Gefängnis fotografieren zu wollen. Ihm folgten mehrere weitere Chemnitzer Fotografen.

Die dabei entstandenen Bilder finden Sie ab sofort unter Medienecho > Fotografie.

 

 

Foto: Christian Sünderwald

 

Sachverständige fordern Aufnahme des ehemaligen Kaßberggefängnis in neues Gedenkstättengesetz

Bei der Anhörung am 21. Mai 2012 im Sächsischen Landtag sprachen sich gleich mehrere Sachverständige dafür aus, den bisher nicht im Gesetz berücksichtigten Gedenkort des Kaßberg-Gefängnisses in Chemnitz in den Kanon der institutionellen Förderung aufzunehmen. Unter ihnen der Historiker Professor Joachim Scholtyseck, der die Bedeutung des Gedenkortes sowie die in kurzer Zeit auf gutem Niveau entwickelte Arbeit vor Ort betonte. Ebenfalls sprach sich der einstige Bürgerrechtler Tobias Hollitzer, Mitglied des Stiftungsbeirates der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, für das Kaßberg-Gefängnis als Gedenkort aus.

Hanka Kliese, stellvertretende Vorsitzende des Chemnitzer Vereins "Lern- und Gedenkort Kaßberggefängnis e.V.", sieht darin ein wichtiges Signal. "Nachdem zur Museumsnacht am 5. Mai bereits die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Chemnitz ihr deutliches Bekenntnis zur Errichtung eines Lern- und Gedenkortes abgegeben haben, erhält das Ansinnen nun Rückenwind durch Sachverständige aus Wissenschaft und Gedenkstättenarbeit. Das bestärkt uns als Verein enorm und ich hoffe, dass die Forderungen bei den Verantwortlichen aus den Regierungsfraktionen nicht auf taube Ohren stoßen. Es sprechen viele gute Gründe für eine Gedenkstätte."

Wolfgang Lötzsch in die "Hall Of Fame des deutschen Sports" aufgenommen

Der "verhinderte Radstar Wolfgang Lötzsch" wurde in die "Hall of Fame des deutschen Sports" aufgenommen.

Die von der Stiftung Deutsche Sporthilfe begründete "Hall of Fame des deutschen Sports" schafft ein bleibendes Forum für Persönlichkeiten, die durch Leistung, Fairplay und Miteinander Vorbild geworden sind: Sportlerinnen und Sportler unseres Landes, Trainer, Funktionsträger, Betreuer oder Mäzene, die ihren Erfolgswillen mit den Prinzipien des Sports in Einklang gebracht haben.

Wir gratulieren unserem Vereinsmitglied und Zeitzeugen ganz herzlich zu dieser Ehrung.

Auch die Medien würdigen die sportliche Leistung sowie die persönliche Haltung von Wolfgang Lötzsch. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt dazu: „Lötzsch wurde verfolgt, betrogen und eingekerkert, nur damit er nicht immer weiter die erfolgsgewohnten Staatsamateure der DDR, die Botschafter des Arbeiter- und Bauernstaates, auf den Rennbahnen und auf dem Kopfsteinpflaster der Heimat abhängte. Weil sie ihn in ihre Auswahl nicht aufnahmen, aber auch nicht aus der DDR ausreisen ließen, bekamen seine Siege eine Dimension jenseits des Sports" (faz.net)

Und auch die Frankfurter Rundschau würdigt Wolfgang Lötzsch und erwähnt auch seine Einsperrung im Chemnitzer Kaßberg-Gefängnis. (siehe Presseecho)

ltzsch picture1

 

Gesetz zur Änderung des Sächsischen Gedenkstättenstiftungsgesetzes

Das jahrelang umstrittene Gesetz zur Errichtung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten ist überarbeitet worden. Der Landtag beschloss am Mittwoch, den 17. Oktober 2012, mit den Stimmen der CDU/FDP-Koalition sowie den Oppositionsfraktionen von SPD und Grünen die hier auch schon angekündigte Novelle jedoch ohne das Kaßberg-Gefängnis.

Das Gesetz enthält eine nicht abschließende Aufzählung von Gedenkstätten, die in den Genuss einer Förderung durch den Freistaat kommen können, sofern sie die Bedingungen dazu erfüllen. Dazu gehören etwa der Jugendwerkhof Torgau oder die durch Euthanasieverbrechen bekannte einstige Landesanstalt Großschweidnitz. Auch der Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis wird sich bei der Stiftung um eine Förderung entsprechende Förderung bewerben.

Trotzdem bedauern wir als Verein die Tatsache, dass das Kaßberg-Gefängnis nicht in das Gedenkstättenstiftungsgesetz aufgenommen wurde. Der Vorstand hatte sich kurz vor der Abstimmung in einem offenen Brief an alle Abgeordneten des sächsischen Landtages gewandt, um auf die Bedeutung des Kaßberg-Gefängnisses hinzuweisen:

"Der Gefängnisbau auf dem Chemnitzer Kaßberg war während eines halben Jahrhunderts lang ein Ort der Verschleppung, Mißhandlung und Entrechtung. Vor 75 Jahren begann hier für die Chemnitzer Opfer der Reichspogromnacht der Leidensweg in die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Und vor fünfzig Jahren startete der weltweit einzigartige deutsch-deutsche Häftlingsfreikauf, der zwischen 1963 und 1989 von Karl-Marx-Stadt aus über 33.000 politische Gefangene aus DDR-Haftanstalten in die Freiheit führte. Über dieses Spannungsverhältnis von Todesort und Tor zur Freiheit hat der Verein Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. seit seiner Gründung im Dezember 2011 die Chemnitzerinnen und Chemnitzer informiert und diese haben vielfach bezeugt, daß sie den Kaßberg als Teil der Geschichte ihrer Stadt annehmen und in das historische Gedächtnis der Stadt aufgenommen wissen möchten. "


Hier finden Sie den gesamten Wortlaut des offenen Briefes.

dieserortistkeinmuseum

 

Gedenkstättenstiftungsgesetz ohne Kaßberg-Gefängnis

"Chemnitzer Kaßberg wird keine Gedenkstätte" so ist seit kurzem auf der Intenetseite des MDRzu lesen.

Wenngleich der Sächsische Landtag das Kaßberg-Gefängis tatsächlich nicht in das Gedenkstättenstiftungsgesetz aufgenommen hat, so ist diese Meldung doch eine grobe Verkürzung eines komplexen Sachverhalts. Selbstverständlich wird das Chemnitzer Kaßberg-Gefängnis eine Gedenkstätte werden. Das hat der Sächsische Landtag schließlich bereits im November 2011 beschlossen und daran arbeiten wir als Verein mit aller Kraft. Dazu motiviert uns nicht zuletzt der enorme Zuspruch, den wir anlässlich der letzten Museumsnacht erfahren haben.

Am 17. Oktober 2012 hat das Parlament mit den Stimmen der CDU/FDP-Koalition sowie den Oppositionsfraktionen von SPD und Grünen lediglich eine Überarbeitung des jahrelang umstrittenen Gesetzes zur Errichtung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten beschlossen. Zuvor hatte der zuständige Landtagsausschuss am Montag, den 8. Oktober 2012, den entsprechenden Gesetzentwurf verabschiedet. In der Beratung sprachen sich trotzdem Abgeordnete mehrerer Fraktionen sowie auch die Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst für die Einrichtung einer Gedenkstätte auf dem Kaßberg aus. Wir dokumentieren hier Auszüge aus der Beschlussempfehlung und aus dem Bericht des Ausschusses für Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien:

Die Sprecherin der SPD-Fraktion „hätte sich darüber hinaus gewünscht, dass die Option einer Aufnahme der Gedenkstätte Kaßberg Chemnitz in den Kreis der institutionell zu fördernden Gedenkstätten fraktionsübergreifend noch einmal diskutiert worden wäre".

Die Fraktion GRÜNE „unterstütze die von mehreren Sachverständigen vorgeschlagene Aufnahme der Gedenkstätte Kaßberg in die Reihe der institutionell zu fördernden Gedenkstätten."

Die Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst versicherte, „im Zuge der neuen Entwicklungen an der Gedenkstätte Kaßberg sei eine künftige Förderung denkbar".

Landtagsdrucksache 5/8625
http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=10348&dok_art=Drs&leg_per=5)

museumsnacht13

 

Sachverständige sprechen sich für Gedenkstätte aus

Am 21. Mai 2012 veranstaltete im Sächsischen Landtag der Ausschuss für Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien eine Anhörung zum „Gesetz

zur Änderung des Sächsischen Gedenkstättenstiftungsgesetzes". Dabei empfahlen Sachverständige, den Bau des ehemaligen

Kaßberg-Gefängnisses als Gedenkstätte zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nicht wegen seiner Nutzung als

MfS-Untersuchungshaftanstalt, sondern wegen eines Alleinstellungsmerkmales und der bundesweiten Relevanz dieses

authentischen Ortes. Denn dieses Gefängnis haben fast alle politischen Häftlinge durchlaufen, die die SED-Führung an die Bundesrepublik

verkauft hat.

Das Wortprotokoll der Anhörung zum Gesetz zur Änderung des Sächsischen Gedenkstättenstiftungsgesetzes sowie die Stellungnahmen und

Präsentationen der Sachverständigen Prof. Dr. Bernd Faulenbach, Hartmut Fournés, Prof. Dr. Günther Heydemann, Solvejg Höppner, Tobias

Hollitzer, Dr. Anna Kaminsky, Stephan J. Kramer, Jens Nagel, Dr. Albin Nees, Siegfried Reiprich, Romani Rose, Prof. Dr. Joachim Scholtyseck,

Dr. Rolf Surmann, Prof. apl. Dr. Wolfgang Wippermann und Mischa Woitschek:

 

Link zum Wortprotokoll der Anhörung (https://www.stsg.de/cms/node/1984)