„Das Kaßberg-Gefängnis und seine Gesichter“

Im November 2016 eröffnete der Verein seine erste (Wander-)Ausstellung feierlich im Rathaus der Stadt Chemnitz. Die Ausstellung mit dem Namen „Das Kaßberg-Gefängnis und seine Gesichter“ soll das Engagement der Zeitzeugen würdigen und einen Beitrag dazu leisten, die Geschichte des Ortes sowie die Schicksale der einstigen politischen Insassen dauerhaft zu dokumentieren. Die Idee für diese Ausstellung stammte von unserer stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Hanka Kliese.

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Die Ausstellung besteht aus 18 Tafeln. Im ersten Teil geht es um die Architektur und um die Geschichte des Haftortes. Das Gefängnis wurde 1876 als Königlich-Sächsische Gefangenenanstalt erbaut. Von 1933 bis 1945 waren neben „gewöhnlichen“ Kriminellen vor allem politische Häftlinge der Justiz sowie Gefangene der Gestapo inhaftiert. Eine zentrale Rolle spielte das Gefängnis bei der Entrechtung Chemnitzer Juden. Nach der Kapitulation Deutschlands übernahm der sowjetische Geheimdienst NKWD das Gefängnis. Dieser sperrte nicht nur NS-Verbrecher auf dem Kaßberg ein, sondern auch politisch Andersdenkende und denunzierte junge Menschen. Die DDR-Behörden übernahmen das Gefängnis im Jahr 1952. Teile des Gebäudes dienten sowohl dem Ministerium des Innern als auch dem Ministerium für Staatssicherheit als Haftstätte. Das Kaßberg-Gefängnis war die größte Untersuchungshaftanstalt in der DDR.

Eine besondere Funktion fiel ihm seit Mitte der 1960er Jahre zu. Diesem Komplex widmet sich der zweite Teil der Ausstellung. Die Karl-Marx-Städter Haftanstalt wurde zur zentralen Drehscheibe für den deutsch-deutschen Häftlingsfreikauf. Die Bundesrepublik erwirkte von 1963 bis 1989 auf diese Weise die Freilassung von über 33.000 Menschen. Fast 90 Prozent der für den Freikauf vorgesehenen Gefangenen ließ das MfS auf den Kaßberg verlegen. Der Häftlingsfreikauf ist demzufolge das Alleinstellungsmerkmal des Kaßberg-Gefängnisses. Der dritte Teil der Ausstellung präsentiert einige Biografien von Zeitzeugen, die unfreiwillig in den Repressionsapparat des DDR-Unrechtssystems gerieten. Die Schicksale der Zeitzeugen werden teilweise auf zwei Tafeln veranschaulicht. Zudem sind private Dokumente wie Bilder oder Schriftstücke zu sehen.

 

                                           Am 7. November 2016 wurde die Ausstellung erstmals öffentlich präsentiert


  
Zur Museumsnacht im Mai 2017 zeigte der Verein die Ausstellung   Hanka Kliese und Zeitzeugin Sabine Popp im Gespräch mit 
in der Rotunde .                                                                                  Ferenc Csák, dem Amtsleiter des Kulturbetriebes der Stadt Chemnitz

 

   
Im August 2017 eröffneten wir die Ausstellung im Grenzlandmuseum Eichsfeld                           Die Ausstellung wurde von den jungen 
mit einem Zeitzeugengespräch. (v.l.n.r.: Geschäftsführerin Mira Keune, Steffi                              Besuchern im Grenzlandmuseum 
Lehmann und Zeitzeuge Chris Bürger)                                                                                           Eichsfeld gut angenommen.


 
Hanka Kliese mit Frau Grabe-Bolz,                      Zum Tag der Deutschen Einheit 2017 war sie im Rathaus Gießen zu sehen. 
Oberbürgermeisterin der Stadt Gießen,                       Zur Eröffnungsveranstaltung kamen 150 geladene Gäste

und Roland Jahn, dem Bundesbeauftragten 
für die Unterlagen des Staatssicherheits-
dienstes der ehemaligen DDR

Die Ausstellung „Das Kaßberg-Gefängnis und seine Gesichter“ wurde gefördert durch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten aus Mitteln des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Die Ausstellung ist Teil des Zeitzeugenprojekts „Das Kaßberg-Gefängnis und seine Gesichter“. Dazu kommen Zeitzeugeninterviews, aus denen ein Trailer zur Ausstellung und ein etwa 40-minütiger Film entstanden sind. Das Projekt ist fortlaufend konzipiert, d. h. weitere Zeitzeugen können interviewt und ihre Biografien in die Ausstellung aufgenommen werden. Einige unserer Zeitzeugen wurden bereits unter Regie von Egmont Elschner von der Seniorenredaktion des SAEK Chemnitz interviewt. Die Interviews begannen im Sommer 2016.

 
    
Egmont Elschner beim Dreh         Die SAEK-Seniorenredaktion beim             Im Oktober 2017 wurde Rudolf Sehm interviewt.  
mit Chris Bürger                           Interview mit Wolfgang Lötzsch                   Er ist der einzige Zeitzeuge, der uns von der Zeit 
                                                                                                                          der SBZ im Kaßberg-Gefängnis berichten kann.
                                                                                                                          Er mahnt: „Es darf nichts vergessen werden!“

Aus den bisherigen Zeitzeugeninterviews ist ein kurzer Trailer entstanden, den wir zu Ausstellungseröffnungen zeigen. Gedankt sei allen beteiligten Zeitzeugen, Egmont Elschner, der Seniorenredaktion des SAEK sowie Sabine Sieble und Florian Reichold. Den Trailer können Sie sich oben anschauen.

Das Filmprojekt wurde gefördert durch den Lokalen Aktionsplan für Demokratie, Toleranz und für ein weltoffenes Chemnitz.