
Maic Petersohn wurde im Juni 1964 geboren und wuchs im thüringischen Rudolstadt auf.
Welchen Bezug hat der Zeitzeuge zum Kaßberg-Gefängnis?
Im November 1984 kam Maic Petersohn nach Haftstationen in Gera und Naumburg für den Häftlingsfreikauf in die Untersuchungshaftanstalt auf den Kaßberg. Von hier aus verließ er die DDR am 5. Dezember 1984 Richtung Bundesrepublik.
Kurzbiografie
Nach dem Abschluss der Schule arbeitete Maic Petersohn als Kellner. Er war verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Obwohl Maic Petersohn seinen 1983 gestellten Ausreiseantrag zurückgezogen hatte, weil er und seine damals schwangere Frau in der Zwischenzeit endlich eine vernünftige Wohnung zugewiesen bekommen hatten, bewegte er sich im Umfeld von Ausreiseantragstellern. So hatten sein Bruder und dessen Freundin ebenfalls einen Antrag gestellt und warteten geduldig auf die Entscheidung der staatlichen Behörden. Zur Clique um das Ehepaar Petersohn und dessen Verwandtschaft gehörte noch ein Freund, der den Paaren von einer „Kreisbildung“ von Ausreisewilligen in Rudolstadt erzählte, nach dem Vorbild des „Weißen Kreises“ in Jena. Die Freunde wollten sich beteiligen, um ihrem Ausreisebegehren durch Öffentlichkeit Nachdruck zu verleihen.
Am 15. Januar 1984, einem Sonntag, war es dann so weit: Die Freunde gingen auf den Rudolstädter Markt und stellten sich zu einer Gruppe von etwa zehn Personen, die sich unterhielten oder rauchten. Maic Petersohn bewegte sich aus dem Kreis heraus und fotografierte die anderen Teilnehmer aus geringer Entfernung, damit die Freunde im Falle einer Verhaftung Beweismaterial für westdeutsche Behörden hätten. Einen Tag später erfolgte die Verhaftung des 19-Jährigen in der eigenen Wohnung und der Transport in die MfS-Untersuchungshaftanstalt nach Gera. Im März wurde Maic Petersohn wegen „ungesetzlicher Verbindungsaufnahme“ zu einem Jahr und zwei Monaten Haft verurteilt. Der Strafvollzug erfolgte in Naumburg. Im November 1984 kam Maic Petersohn in die Untersuchungshaftanstalt auf den Kaßberg und wurde von hier aus im Rahmen des Häftlingsfreikaufs am 5. Dezember 1984 in die Bundesrepublik entlassen.
Heute unterstützt Maic Petersohn den Verein als Zeitzeuge.
Die Fotos zeigen Maic Petersohn im Lernort, einen öffentlichen Protest von Ausreiseantragstellern 1984 in Rudolstadt (Bundesarchiv – StUA) und ihn im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern.

