Volker Preißler wurde am 14.05.1955 in Freiberg geboren.

Welchen Bezug hat der Zeitzeuge zum Kaßberg-Gefängnis?

Volker Preißler und ein Freund wurden bei einem Fluchtversuch an der tschechoslowakisch-ungarischen Grenze im Oktober 1988 verhaftet. Volker Preißler war von Oktober 1988 bis Januar 1989 in der Untersuchungshaftanstalt des MfS auf dem Kaßberg inhaftiert und nach seiner Verurteilung im Gefängnis des Ministeriums des Inneren auf dem Kaßberg bis zum Februar 1989 bevor er in eine andere Strafvollzugsanstalt verlegt wurde.

Kurzbiographie

Volker Preißler arbeitete nach seinem Studium als Lehrer und war von den schlechten Wohnbedingungen und fehlender Freiheit in der DDR frustriert. Er wollte nicht mehr die staatliche Ideologie an die Kinder vermitteln. Nachdem ein Ausreiseantrag nicht bearbeitet wurde, entscheidet er sich zusammen mit einem Freund für die Flucht zunächst über die tschechoslowakisch-ungarische Grenze und anschließend nach Österreich. Wegen der gestellten Ausreiseanträge bekam der Freund aber kein Visum für Ungarn. Sie mussten also illegal die Grenze aus der Tschechoslowakei nach Ungarn überwinden. Preißler wurde am 6. Oktober 1988 im tschechoslowakischen Malé Kosihy durch Grenzbehörden verhaftet. Vermutlich hatten Bewohner des Dorfes ihn angezeigt. Volker Preißler und sein Freund wurden zunächst eine Woche in Prag in Untersuchungshaft festgehalten, bevor sie nach Karl-Marx-Stadt in die Untersuchungshaftanstalt des MfS auf dem Kaßberg gebracht wurden. Volker Preißler befand sich vom 18. Oktober 1988 bis zum 10. Februar 1989 im Kaßberg-Gefängnis. Das Kreisgericht Karl-Marx-Stadt Mitte/Nord verurteilte ihn wegen „versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts im schweren Fall“ am 16. Januar 1989 zu einem Jahr und acht Monaten Haft. Er durchlief in der Folge mehrere Haftanstalten in Leipzig und Rackwitz und musste unter anderem im VEB Leichtmetallwerk Rackwitz als Produktionsarbeiter Zwangsarbeit leisten. Volker Preißler wurde am 7. November 1989 durch den Beschluss des Staatsrates der DDR vom 27. Oktober 1989 amnestiert und am 9. Juli 1991 rehabilitiert.

Volker Preißler verlies nach seiner Freilassung noch im November 1989 die DDR und kam zunächst in Peine in Niedersachsen bei seinem Freund unter, mit dem er im Jahr zuvor den Fluchtversuch unternommen hatte und der zwischenzeitlich von der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland freigekauft worden war. Er legte das Zweite Staatsexamen ab und unterrichtete anschließend in Niedersachsen als Lehrer.

In unserer Dauerausstellung ist Volker Preißler ein eigener biografischer Ausstellungsbereich mit Videointerview und Aktenauszügen gewidmet. Sie finden ihn im zweiten Obergeschoss unseres Lernorts im früheren Hafttrakt B.

Die Fotos zeigen Volker Preißler im Porträt, bei einer Reise nach Norwegen im Jahr 1993 und mit unserem Vereinsvorstand Andreas Neudert vor dem Eingang zum ehemaligen Verwaltungsgebäude des Kaßberg-Gefängnisses im Jahr 2019.

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