Regelmäßig besuchen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen den Ort ihrer früheren Inhaftierung aus politischen Gründen bzw. die heutige Gedenkstätte: So empfing Dr. Steffi Lehmann in der vergangenen Woche Frank Werner aus Lichtenstein, den das MfS zweimal auf dem Kaßberg inhaftierte – 1980 nach einem gescheiterten Fluchtversuch und 1987 wegen „öffentlicher Herabwürdigung“. Frank Werner war seit den 1980er-Jahren tief in der Punkrock-Szene verwurzelt. Er unterhielt Kontakte zu Punks und Bands in Leipzig, Ostberlin, der Schweiz und der Bundesrepublik, verfasste Artikel für Fanzines und verbreitete Musik von ostdeutschen Punkgruppen, die nicht legal in der DDR auftreten durften. Nach seiner Verurteilung und dem Strafvollzug in Karl-Marx-Stadt kam er durch eine Amnestie 1987 frei und verließ die DDR im Februar 1988 über einen Ausreiseantrag.


Gegen Ende der Woche war die Freie Presse bei uns: Dr. Thomas Schaub, Verleger der MedienUnion Ludwigshafen, der Geschäftsführer Dr. Daniel Daum sowie der Chefredakteur Torsten Kleditzsch und die beiden stellvertretenden Chefredakteure Anne Lena Mösken und Sascha Aurich wurden von Nicole Jassner-Sehning, erste Vorsitzende unseres Fördervereins und Schatzmeisterin unseres Trägervereins, empfangen und durch die Dauerausstellung geführt. Zeitzeugin Veronika Bahr, die im August 1968 im Alter von 18 Jahren im MdI-Teil des Kaßberg-Gefängnisses inhaftiert worden war, begleitete die Gruppe und berichtete von ihren persönlichen Hafterfahrungen.


Am Wochenende begrüßten wir Kolleginnen und Kollegen der Point Alpha Stiftung. Im Rahmen ihrer jährlichen Fortbildung informierten sich die Guides über den Häftlingsfreikauf aus der DDR und die doppelte Diktaturgeschichte des Kaßberg-Gefängnisses. Für die Gruppe fanden anschließend zwei parallele Zeitzeugengespräche statt, einmal mit Petra Weise, die im Juli 1981 freigekauft und über den Kaßberg in die Bundesrepublik entlassen wurde, und einmal mit Rolf Kiesel, der aufgrund von Wehrdienstverweigerung für 21 Monate im Strafgefangenarbeitskommando auf dem Kaßberg inhaftiert war. Zum Abschluss beantworteten unsere Vorstandsmitglieder Manuela Bausch und Volkmar Zschocke Fragen zur Vereinsgeschichte und zur Gedenkstättenkonzeption.


© Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V.