Als Akteur der Politischen Bildung haben wir am 31. März 2026 beim 2. Aktionstag „SCHULE. MACHT. POLITIK.“ mitgewirkt, bei dem sächsische Lehrkräfte und Lehramtsstudierende an der der Technischen Universität Chemnitz zusammenkamen, um Impulse aus Wissenschaft und Praxis zu erhalten. In Workshops und Vorträgen ging es u. a. um den Umgang mit Extremismus, Fake News und demokratischer Schulkultur. Im Mittelpunkt stand die Frage nach Neutralität und Verantwortung. Dabei wurde deutlich: Demokratiebildung ist kein Zusatz, sondern ein zentraler Auftrag von Schule – und Lehrkräfte sollten aktiv für demokratische Werte einstehen. Denn Schule prägt, wie junge Menschen unsere Gesellschaft verstehen und mitgestalten.

Ein Höhepunkt der praktischen Bildungsarbeit war der Bericht unserer Zeitzeugin Petra Weise im Workshop „Was war die DDR? – Spurensuche im Spannungsfeld zwischen persönlicher Erinnerung und historischer Forschung“. Die einst systemtreue Schülerin unternahm einen Fluchtversuch, um ihrem kranken Kind die in der DDR verweigerte, lebensrettende medizinische Versorgung zu ermöglichen. Petra Weise wurde im Juli 1981 freigekauft und über den Kaßberg in die Bundesrepublik entlassen. Der Workshop wurde von unserer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Kristina Hahn durchgeführt und hat als Seminar unter der Leitung von Ronald Herzog auch einen Platz im Curriculum der Lehramtsausbildung der TU Chemnitz.
Zusätzliche Informationen zum Aktionstag der TU Chemnitz finden Sie unter https://www.tu-chemnitz.de/tu/pressestelle/aktuell/13413
Einen weiteren Zeitzeugenbesuch hatte unser Lernort von Andreas Biedermann aus Leipzig. Er wurde nach einem missglückten Fluchtversuch im Sommer 1978 und mehreren Haftstationen in Ungarn und dem Strafvollzug in Cottbus im Mai 1979 von der Bundesrepublik über das Kaßberg-Gefängnis freigekauft. Gemeinsam mit seinem Sohn Jan Biedermann besichtigte er das öffentlich zugängliche Freikauf-Archiv im ersten Obergeschoss der Gedenkstätte, in dem sich auch sein „Mielke-Beurteilungsbogen“ befindet. Zudem übergab uns Andreas Biedermann Unterlagen aus seiner MfS-Akte für unser Zeitzeugen-Archiv.

© Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V.