„Biete »Staatsfeinde« – suche Westgeld!“

Vom 15. bis 19. September 2025 war Chemnitz Gastgeber des 14. Sächsischen Geschichtscamps. Rund 50 Schülerinnen und Schüler aus Sachsen und Baden-Württemberg nahmen in dieser Woche an einem vielfältigen Programm aus Workshops, Vorträgen und Begegnungen teil. Im Mittelpunkt stand der deutsch-deutsche Häftlingsfreikauf, der ab 1966/67 zentral über das ehemalige Kaßberg-Gefängnis abgewickelt wurde. Entsprechend trug das Geschichtscamp in diesem Jahr das prägnante Motto: „Biete »Staatsfeinde« – suche Westgeld!“.

Die feierliche Eröffnung fand am 16. September 2025 in der Aula des Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasiums statt. Grußworte sprachen Staatssekretär Wilfried Kühner vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus, unsere wissenschaftliche Leiterin Dr. Steffi Lehmann, Ingolf Thiele vom Landesamt für Schule und Bildung, die Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Dr. Nancy Aris, sowie Referatsleiter Rüdiger Hocke vom Kultusministerium Baden-Württemberg. Mit einem Impulsvortrag über das ehemalige Notaufnahmelager stimmte Prof. Dr. Jeannette van Laak die Teilnehmenden inhaltlich auf die kommenden Tage ein. Am Abend referierte Dr. Helmut Müller-Enbergs in der Rotunde der heutigen Gedenkstätte im ehemaligen Hafttrakt B des Kaßberg-Gefängnisses über Struktur und Arbeitsweise der Staatssicherheit in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz).

In den darauffolgenden Tagen arbeiteten die Schülerinnen und Schüler intensiv am historischen Ort. Sie setzten sich mit den Hintergründen, Abläufen und politischen Dimensionen des Häftlingsfreikaufs auseinander. Besonders eindrücklich waren die zahlreichen Zeitzeugengespräche. Silvia Krause, Petra Weise, Thomas Drescher, Norbert Sachse und Michael Schlosser berichteten von ihrem Leben in der DDR, von politischer Verfolgung und Haft sowie von ihrer Entlassung in die Bundesrepublik im Rahmen des Häftlingsfreikaufs.

Ein weiterer Workshop mit Kim Pickenhain eröffnete Perspektiven auf das Leben als Punkerin im damaligen Karl-Marx-Stadt und machte deutlich, wie vielfältig Formen von Ausgrenzung und Repression in der DDR waren. Am dritten Abend wurde der Film Ballon gezeigt. Im anschließenden Gespräch mit dem Zeitzeugen Günter Wetzel erhielten die Jugendlichen bewegende Einblicke in die reale Fluchtgeschichte, die dem Film zugrunde liegt. Ergänzend zum Workshopprogramm erkundeten die Teilnehmenden die Stadt Chemnitz im Rahmen einer Führung und besuchten das Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv Chemnitz, um sich mit Originalquellen auseinanderzusetzen. Am letzten Tag des Geschichtscamps präsentierten die Jugendlichen ihre Workshopergebnisse vor Landtagspräsident Alexander Dierks und reflektierten gemeinsam die intensiven Tage in Chemnitz.

Unser herzlicher Dank gilt allen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, den Workshopleiterinnen und -leitern sowie unseren Partnerinstitutionen und ihren Mitarbeitenden für ihre engagierte Mitwirkung und Unterstützung. Sie alle haben maßgeblich zum Gelingen des Geschichtscamps 2025 in unserem Lernort beigetragen.


Im Beitrag, der am 16. September 2025 im mdrAKTUELL gezeigt wurde, schildern die Teilnehmenden des Geschichtscamps ihre ersten Eindrücke.

Link teilen