
In Chemnitz erinnern seit dem Vormittag Stolpersteine an die Familie von Ernst Sander, der in der Zeit des Nationalsozialismus wegen seiner jüdischen Herkunft im Kaßberg-Gefängnis inhaftiert war und dessen Schicksal in der Dauerausstellung unseres Lernorts im früheren Hafttrakt B berichtet wird. Am einstigen Wohnsitz der Familie in der damaligen Dresdner Straße 4 (heute Bahnhof-/Ecke Augustusburger Straße) wurden Stolpersteine für seine Eltern Richard und Sophie Sander, geborene Grossmann, und seinen Bruder Herbert Sander verlegt. Unser Vereinsmitglied Anja Wartenberg, deren Familie mit Ernst Sander eng verbunden war, dankte in einem Redebeitrag für das Erinnern an dessen Angehörige. Unsere wissenschaftliche Leiterin Dr. Steffi Lehmann ist Patin für den Stolperstein von Herbert Sander.
Die Eheleute Richard und Sophie Sander stammten nach Angaben des Historikers Dr. Jürgen Nitsche aus Halle (Saale) und Oberschlesien und waren seit 1905 in Chemnitz ansässig. Mit ihren beiden Söhnen Ernst und Herbert Sander wohnte die Familie in der damaligen Dresdner Straße 4, wo sie ein Möbelgeschäft besaß. Während der Novemberpogrome 1938 wurden die Söhne in sogenannte Schutzhaft genommen. Herbert Sander wurde im Mai 1942 in das Ghetto Belzyce im von den Deutschen besetzten Polen deportiert, sein Bruder Ernst war aufgrund einer „Mischehe“ vorübergehend vor Verschleppung geschützt.
Richard Sander starb am 15. Juli 1942 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Chemnitz beigesetzt. Sophie Sander wurde im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, wo sie im Februar 1945 auf ihren dann ebenfalls deportierten Sohn Ernst Sander traf. Gemeinsam kehrten Mutter und Sohn im Juni 1945 nach Chemnitz zurück. Hier verstarb Sophie Sander am 9. Dezember 1950. Sohn Herbert galt als verschollen.
Insgesamt werden in Chemnitz heute 30 Stolpersteine an zwölf Orten verlegt. Eine Übersicht finden Sie hier. Einen ausführlichen Beitrag über die Familie Sander lesen Sie, wenn Sie hier klicken.
Unsere Bilder, fotografiert von Robert Schröpfer, zeigen oben die Stolpersteine für Richard, Herbert und Sophie Sander in der Bahnhofstraße (gegenüber Smac), außerdem unten den Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung, Dr. Steffi Lehmann, Marion Rotstein und Veronika Brandt beim Niederlegen von Blumen, Anja Wartenberg und Dr. Jürgen Nitsche bei ihren Redebeiträgen sowie einen Blick in den biografischen Ausstellungsbereich von Ernst Sander in unserem Lernort im früheren Hafttrakt B.




