Zeitzeuginnenbesuch hatte heute unser Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis. Im Rahmen eines Projekttags kam Petra Weise mit 15 Schülerinnen und Schülern des Stöckhardt-Gymnasiums Chemnitz ins Gespräch. Zuvor hatten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer Führung mit unserer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Kristina Hahn über die doppelte Diktaturgeschichte des einstigen politischen Haftorts, den Häftlingsfreikauf aus der DDR und die Gedenkstättenkonzeption informiert. In Gruppenarbeit beschäftigten sich die jungen Leute außerdem mit Haftschicksalen unserer Dauerausstellung.
Petra Weise hatte 1980 mit ihrer Familie die DDR verlassen wollen, um ihrer an einer seltenen Erkrankung leidenden Tochter medizinische Hilfe zu ermöglichen, die sie im Osten nicht bekam. Beim Fluchtversuch im Juli wurde die Familie an der bulgarisch-jugoslawischen Grenze aufgegriffen. Sie kam in die Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Pankow, dann zum Stafvollzug ins berüchtigte Frauengefängnis Hoheneck. Im Juli 1981 wurde das Ehepaar freigekauft und über den Kaßberg in die Bundesrepublik entlassen. Die beiden Kinder, um die sich die Großeltern gekümmert hatten, durften später nachkommen. Die Erkrankung der Tochter wurde im Westen erfolgreich behandelt. Das Kind wurde geheilt.
Unser Bild, fotografiert von Kristina Hahn, zeigt Petra Weise im Gespräch mit den jungen Leuten im Seminarraum unseres Lernorts im früheren Hafttrakt B.
Wir bedanken uns recht herzlich bei Petra Weise – und allen anderen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die in diesem Jahr mit Gästen unseres Lernorts ins Gespräch gekommen sind. Ihre Offenheit und ihre Bereitschaft ermöglichen unmittelbare Zugänge für viele Besucherinnen und Besucher und sind ein wertvoller Teil unserer Gedenkstättenarbeit.
