Unsere Bildungsangebote umfassen Überblicksführungen und Workshops zum Kaßberg-Gefängnis in der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR sowie zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Workshops setzen sich in der Regel aus einer Kurzführung (45 Minuten) und einer Gruppenarbeit mit anschließender Auswertung (60 Minuten) zusammen. Jeder Workshop dauert mit Pausen etwa 2 bis 2,5 Stunden. Es ist möglich, das Bildungsangebot individuell auf die jeweilige Zielgruppe, die jeweilige Haftepoche und das im Unterricht behandelte Thema zuzuschneiden. Auf diese Weise lässt sich ein Workshop auch zu einem vierstündigen Projekttag (inkl. Pausen) erweitern.

Viele der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der DDR-Zeit arbeiten in unserem Bildungsprogramm mit. Als ein besonderer Höhepunkt Ihres Besuchs kann eine Zeitzeugin oder ein Zeitzeuge für ein Gespräch angefragt werden. Bitte beachten Sie, dass solche Gespräche nur begrenzt und nach Verfügbarkeit angeboten werden können. Dafür fallen zusätzliche Kosten an.

Wir sind ein offener Lernort und für alle erreichbar, gleich ob Oberschule oder Gymnasium, ob Berufsschule, Förderzentrum, Universität oder Erwachsenenbildung. Nehmen Sie einfach Kontakt zu uns auf! Unser Team – oben im Bild: Robert Schröpfer, Dr. Steffi Lehmann, Kristina Hahn, Ingolf Notzke (v.l.) – freut sich auf Ihre Anfrage!


Bitte beachten Sie:
Die Nachfrage nach unseren Bildungsangeboten ist sehr groß. Wir freuen uns über das Interesse und über jede einzelne Anfrage. Gegenwärtig haben wir bereits Termine bis Ende April geplant und können neue Termine für Führungen und Workshops ab Juni vergeben.

Unsere Bildungsangebote

Unsere Überblicksführungen richten sich nicht nur an Schülerinnen und Schüler, sondern grundsätzlich an alle Interessierten. Für Besuchergruppen der Justiz, Polizei, Bundeswehr oder Verwaltung bieten wir auf Anfrage außerdem Schwerpunktführungen an.

Die Besucherinnen und Besucher erhalten einen Überblick über die doppelte Diktaturgeschichte des ehemaligen Kaßberg-Gefängnisses. Der Rundgang führt durch die drei Ausstellungsbereiche zur Zeit des Nationalsozialismus, zur Untersuchungshaft in der Zeit des sowjetischen Geheimdienstes NKWD/MGB und in der Zeit der DDR-Staatssicherheit sowie zum innerdeutschen Häftlingsfreikauf. Die Führung beleuchtet ausgewählte Haftschicksale und gibt einen ersten Einblick in Hintergründe und Zusammenhänge der jeweiligen Repressionsapparate.

Das Angebot richtet sich an Gruppen jeder Art und an Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8 – im Fach Geschichte oder Gemeinschaftskunde.

Dauer: ca. 1 Stunde
Kostenbeitrag: ab 90 Euro

Die Besucherinnen und Besucher erhalten einen Überblick über das Kaßberg-Gefängnis in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Führung vertieft Hintergründe und Zusammenhänge des nationalsozialistischen Repressionsapparats, insbesondere zur Ideologie, zur Rolle von Justiz, Gestapo und Partei sowie zu den Haftbedingungen im Kaßberg-Gefängnis. Im Zentrum stehen Haftschicksale aus unterschiedlichen Opfergruppen, bspw. jüdischer Verfolgter, politischer Gegner der Nationalsozialisten und inhaftierter Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

Das Angebot richtet sich an Gruppen jeder Art und an Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8 – im Fach Geschichte oder Gemeinschaftskunde.

Dauer: ca. 1 Stunde
Kostenbeitrag: ab 90 Euro

Die Besucherinnen und Besucher erhalten einen Überblick über das Kaßberg-Gefängnis als Untersuchungshaftanstalt des sowjetischen Geheimdienstes NKWD/MGB und des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit. Die Führung stellt ausgewählte Haftschicksale aus der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR vor und beleuchtet Ideologie und Verfolgungsmuster des kommunistischen Regimes. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Häftlingsfreikauf aus der DDR 1962/63 bis 1989 und seinen Hintergründen wie den ethisch-moralischen Implikationen.

Das Angebot richtet sich an Gruppen jeder Art und an Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9 – im Fach Geschichte oder Gemeinschaftskunde.

Dauer: ca. 1 Stunde
Kostenbeitrag: ab 90 Euro

Die Besucherinnen und Besucher erhalten einen Überblick über den Häftlingsfreikauf aus der DDR und das Kaßberg-Gefängnis als zentralem Abwicklungsort aufseiten des ostdeutschen Regimes. Die Führung stellt ausgewählte Haftschicksale vor und beleuchtet Hintergründe und Akteure. Dabei wird ein Bogen gespannt von den ersten Freikäufen Anfang der 1960er-Jahre bis hin zum institutionalisierten Handel in den 1970er- und 1980er-Jahren sowie den ethisch-moralischen Fragestellungen, die sich damit verbinden. Das Angebot richtet sich an Gruppen jeder Art und an Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9 – im Fach Geschichte oder Gemeinschaftskunde.

Dauer: ca. 1 Stunde

Kostenbeitrag: ab 90 Euro

In den ersten Monaten der nationalsozialistischen Diktatur richtete sich der Terror nach innen und nahm vor allem Hitlers politische Gegner in den Fokus. Mediale Aufmerksamkeit erlangte regional die sogenannte „Chemnitzer Osterwäsche“, bei der Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden öffentlich gedemütigt wurden. Dabei trieb der SA-Marinesturm Chemnitz die Festgenommenen einige Tage nach der Verhaftung mehrmals durch die Stadt und zwang sie, Plakate und Parolen der letzten Reichstagswahl abzuwaschen.

Nach einer thematischen Einführung in den Ausstellungsbereich zur NS-Zeit beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler in Gruppenarbeit: Was war die „Osterwäsche“? Was wurde gereinigt? Wo fand die Aktion statt? Sind die Orte heute noch im Stadtbild zu finden? Wie wurde die Aktion in den zeitgenössischen Medien dargestellt?

Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine Materialbox mit Aufnahmen der „Osterwäsche“, historischen Stadtplänen und aktuellen Stadtansichten. Sie analysieren in Kleingruppen das Material und rekonstruieren den Ablauf der „Abwaschaktion“. Parallel beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Biografien der Opfer und halten die Ergebnisse ihrer Recherche auf einem Arbeitsblatt oder einem Poster fest.

Dauer: ca. 1,5 Stunden
Kostenbeitrag: 110 Euro

Empfohlen für Klasse 8 bis 13 (Dieses Angebot richtet sich in erster Linie an Schülerinnen und Schüler aus Chemnitz, da für das Verständnis der Workshop-Inhalte Ortskenntnisse notwendig sind.)

Das Kaßberg-Gefängnis war ein wichtiger Ort der nationalsozialistischen Verfolgung. Von Beginn der NS-Gewaltherrschaft an und bis zur Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands war es ein politischer Haftort und spielte eine Rolle bei der Verfolgung von Angehörigen verschiedener Opfergruppen. Dazu gehörten vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten, Jüdinnen und Juden sowie andere Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, Lebensweise oder sexuellen Orientierung nicht in das Weltbild der NS-Ideologie passten. Angehörige der Glaubensgemeinschaft der Ernsten Bibelforscher gerieten ebenfalls ins Visier des NS-Terrorapparates. Während des Zweiten Weltkriegs befanden sich außerdem Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter unter dramatischen Haftbedingungen auf dem Kaßberg in Untersuchungshaft. Die Zellen waren chronisch überfüllt. Ein hartes Arbeitsregime, verschärfte Disziplinarmaßnahmen und die Willkür des Gefängnispersonals prägten den Haftalltag. Für viele der Inhaftierten bildete das Kaßberg-Gefängnis die erste Station ihrer Leidenswege.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops erhalten eine Überblicksführung durch den Ausstellungsbereich zur NS-Zeitund erfahren, aus welchen unterschiedlichen Gründen Menschen in der Zeit zwischen 1933 und 1945 verfolgt und inhaftiert wurden.Anschließend erkunden die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen den Ausstellungsbereich selbständig. Sie beschäftigen sich tiefgründig mit ausgewählten Häftlingsschicksalen und präsentieren ihre Rechercheergebnisse in einem gemeinsamen Rundgang.

Dauer: ca. 2 Stunden
Kostenbeitrag: ab 130 Euro
Empfohlen für Klasse 8 bis 12

Während der NS-Diktatur waren im Kaßberg-Gefängnis neben gewöhnlichen Kriminellen zahlreiche politische Häftlinge inhaftiert. Bereits im Zuge der ersten Repressionswelle nahmen Polizei und Gestapo im März 1933 angesehene jüdische Bürger und führende Mitglieder von KPD und SPD ohne gerichtliches Urteil in Haft („Schutzhaft“). Im April 1933 berichteten die Chemnitzer Tageszeitungen in übertrieben positivem Tonfall von den Haftbedingungen sogenannter „Schutzhäftlinge“ auf dem Kaßberg.

Nach einer Überblicksführung durch den Ausstellungsbereich zur NS-Zeit beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler vertiefend mit Formen von Propaganda und untersuchen anhand zeitgenössischer Quellen deren Wirkung und Bedeutung im NS-Herrschaftssystem. Im Zentrum steht die damalige Zeitungsberichterstattung über das Kaßberg-Gefängnis.

Ihre Erkenntnisse aus der Textquellenanalyse gleichen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Informationen ab, die sie bei einem selbstständigen Rundgang durch den Ausstellungsbereich erhalten, entdecken Widersprüche und hinterfragen die Authentizität der zeitgenössischen Berichterstattung. Im Anschluss werden die Bezüge zur Gegenwart hergestellt.

Dauer: ca. 2 Stunden
Kostenbeitrag: ab 130 Euro
Empfohlen für Klasse 11 bis 13

Unantastbar Mensch – Ein inklusives und barrierearmes Angebot für Schulen und Besucherinnen und Besucher

„Unantastbar Mensch“ setzt sich mit der Geschichte des Förderzentrums für Blinde und Sehbehinderte auseinander. Die 1905 eröffnete „Königlich-Sächsische Landeserziehungsanstalt für Blinde und Schwachsinnige“ verfolgte die Zielsetzung einer Fürsorge „von der Wiege bis zur Bahre“. In der Zeit des Nationalsozialismus gerieten die Zöglinge ins Visier der nationalsozialistischen Rassenpolitik. Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner wurden von Chemnitz weggebracht und fielen in Tötungsanstalten den nationalsozialistischen Krankenmorden („Euthanasie“) zum Opfer. Heute erinnert ein Gedenkort auf dem Gelände des Förderzentrums an ihr Schicksal.

Das Netzwerk sensibilisiert Schülerinnen und Schüler in einem inklusiven und barrierearmen Angebot für die geschichtlichen Ereignisse. Das Konzept ermöglicht, historisches Wissen auf eine pädagogische Art und Weise zu vermitteln. Außerdem soll aufgezeigt werden, wie zerbrechlich Demokratie auch heute noch ist. Das Angebot richtet sich hauptsächlich an die Klassenstufen 8 bis 10 in den Fächern Geschichte und Ethik und ist für Förderschulen geeignet.

Ab Ende 2023 steht ein Museumskoffer zur Verfügung, der mit Vor- und Nachbereitungsmaterialien für einen Besuch auf dem Gelände ausgestattet ist. Zusätzlich werden Tablets angeboten, die für eine digitale Wissensrallye vor Ort genutzt werden können.

Dauer: ab 1,5 Stunden

Kontakt:
Anna-Charlotte Schmidt, SFZ Förderzentrum gGmbH
Flemmingstraße 8c, 09116 Chemnitz
acschmidt@sfz-chemnitz.de

Ab Mitte der 1960er-Jahre entwickelte sich die Untersuchungshaftanstalt der ostdeutschen Geheimpolizei auf dem Kaßberg zur zentralen Drehscheibe des deutsch-deutschen Häftlingsfreikaufes. Grund war die Größe des Haftkomplexes und die Lage an der Autobahn 4 Richtung innerdeutsche Grenze. So wurden etwa 90 Prozent der rund 33.000 von der Bundesrepublik aus den Gefängnissen der DDR ausgelösten politischen Gefangenen vom Kaßberg aus in die Freiheit entlassen. Die DDR erhielt im Gegenzug Warenlieferungen und Devisen in Höhe von mehr als drei Milliarden D-Mark. Dabei bedeutete der Freikauf nicht automatisch eine Ausreise in die Bundesrepublik. Noch bis Anfang der 1970er-Jahre wurde ein nicht unerheblicher Teil der politischen Häftlinge wieder in die DDR entlassen. Die meisten Betroffenen gelangten jedoch in den Westen und hielten sich vorher etwa zwei bis drei Wochen im sogenannten B-Trakt des Kaßberg-Gefängnisses auf. In diesem Gebäudeteil befindet sich heute der Lernort.

Im Workshop werden Hintergründe und Motivlagen des deutsch-deutschen Häftlingsfreikaufes erläutert. Wie kam es dazu und warum bezahlte die Bundesrepublik überhaupt Geld für politische Gefangene in der DDR? Wer wusste davon, wer wählte die Gefangenen aus und wer entschied über die Freilassung? Wie wurde bezahlt und gab es auch Betrugsfälle oder wurden Menschen gar absichtlich in der DDR verhaftet, um für sie Geld zu kassieren? Wie wurden die Freigekauften in den Westen gebracht?

Mit diesen Fragen befassen sich die Schülerinnen und Schüler nach einer Überblicksführung eigenständig in der Dauerausstellung. Im Anschluss nehmen sie in Arbeitsgruppen ein konkretes Freikaufschicksal in den Blick, um die Beweggründe und die damalige Situation der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen besser zu verstehen.

Dauer: 2 bis 2,5 Sunden inkl. Pausen
Kostenbeitrag: ab 130 Euro
Empfohlen für Klasse 10 bis 13

Viele ehemalige politische Häftlinge des Kaßberg-Gefängnisses befanden sich zum Zeitpunkt ihrer Festnahme im Jugendalter. Die politischen Gründe für ihre Inhaftierung reichten von angeblicher „Spionage“ über „ungesetzlichen Grenzübertritt“ bis hin zur „staatsfeindlichen Hetze“. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als die sowjetische Geheimpolizei NKWD/MGB das Gefängnis zeitweilig nutzte, verstanden die dort eingesperrten Heranwachsenden wegen mangelnder Russischkenntnisse oft nicht einmal, warum sie verhaftet worden waren. In dieser Zeit gerieten zahlreiche junge Menschen wegen des haltlosen Verdachts, Mitglieder der NS-Partisanenorganisation „Werwolf“ gewesen zu sein, in Haft. Nach Übernahme des Gefängnisses durch die DDR-Behörden 1952 gerieten auch junge Menschen in die Untersuchungshaft der Staatssicherheit, weil ihnen „Straftaten gegen die staatliche und öffentliche Ordnung“ vorgeworfen wurden. Nicht wenige hofften auf den Freikauf durch die Bundesrepublik.

Nach einer Überblicksführung werden im Workshop die Lebenswege von Menschen skizziert, die als Teenager ins Visier der politischen Geheimpolizei gerieten. Weshalb kamen sie in Konflikt mit dem Regime? Wie fanden sie sich im Haftalltag zurecht? Wie ging das Leben nach der Haft für sie weiter?

Dauer: 2 bis 2,5 Sunden inkl. Pausen
Kostenbeitrag: ab 130 Euro
Empfohlen für Klasse 8 bis 13

„Jetzt lag meine Zelle im dritten Stock. Sie war klein, und wir waren vier Frauen. Eine gewisse Unsicherheit versuchten wir uns täglich auszureden, denn sie ließen uns schmoren, ehe etwas passierte. Die Abschiebung begann. Hier war das Wachpersonal wieder nur männlich. Es gab besseres Essen, guten Kaffee, und wir durften täglich duschen. Natürlich haben hier die Wachmänner auch gespannt.“

Elke Schlegel, von der diese Erinnerungen stammen, ist eine von jenen Frauen, die von 1966 bis 1989 über das Kaßberg-Gefängnis in die Freiheit gelangten. Bislang sind die Haftschicksale und die Haftbedingungen von politisch verfolgten Frauen in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR nicht ausreichend erforscht. Gleichwohl ist anzunehmen, dass sie besonders unter den Erniedrigungen durch die Wachhabenden und das harte Arbeitsregime psychisch und physisch litten.

Nach einer Überblicksführung setzen sich die Lernenden im Workshop mit weiblichen Haftschicksalen auseinander. Dabei geht es auch um frauenspezifische Sichtweisen und Fragestellungen in Bezug auf politische Haft und die Zeit danach. Wo gibt es innerhalb der Forschung noch Lücken und wie gehen die betroffenen Frauen selbst mit ihrer Hafterfahrung um?

Dauer: 2 bis 2,5 Sunden inkl. Pausen
Kostenbeitrag: ab 130 Euro
Empfohlen für Klasse 10 bis 13

In diesem Workshop setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit den unterschiedlichen Formen von Widerstand und Opposition in der DDR auseinander. Anhand ausgewählter Haftschicksale von ehemaligen politischen Gefangenen werden die verschiedenen Ausprägungen widerständigen Verhaltens in der DDR erörtert und die Folgen für die Betroffenen aufgezeigt.

Was geschah mit jenen, die es wagten, die Verhältnisse in der DDR offen zu kritisieren? Etwa mit Bemerkungen wie „Alles Scheiße hier in diesem Land“ (Wolfgang Lötzsch)? Oder mit nächtlichen Sprühaktionen an öffentlichen Orten mit Inhalten wie „Mauer weg!“ (Sabine Popp)? Warum waren viele Menschen unzufrieden mit ihrer Lebenssituation und welche Formen des passiven Widerstands, des „Nichtmitmachens“ bzw. der Verweigerung, gab es im (Schul-)Alltag oder in der Freizeit? Wieso nahmen Menschen das Risiko eines Fluchtversuches auf sich oder stellten Ausreiseanträge, auch wenn damit Schikanen und Repressionen verbunden waren? Kommt der Wille nach dem Verlassen der DDR einer Protesthandlung gleich?

Diesen Fragen gehen die Lernenden nach einer Überblicksführung nach, wobei der Workshop viel Raum für Diskussionen und keine abschließende Wertung über die Formen von Widerstand und Opposition in der DDR bietet. Vielmehr ziehen die Schülerinnen und Schüler über die in der DDR fehlenden Grundfreiheiten, etwa freie Meinungsäußerung, Freizügigkeit, Religionsfreiheit oder Versammlungsfreiheit, Rückschlüsse auf das heutige Demokratieverständnis.

Dauer: 2 bis 2,5 Sunden inkl. Pausen
Kostenbeitrag: ab 130 Euro
Empfohlen für Klasse 8 bis 13

Wir kommen zu Ihnen in Schule und Klassenzimmer. Was war die DDR? Was war das Kaßberg-Gefängnis und was der Häftlingsfreikauf? In unserem mobilen Projekttag erarbeiten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Klassenzimmer einen Überblick über die doppelte Diktaturgeschichte des ehemaligen politischen Haftorts, das einstige politische System und die Lebenswelt in Ostdeutschland sowie den Häftlingsfreikauf aus der DDR. Im Anschluss kommen sie mit einer Zeitzeugin oder einem Zeitzeugen ins Gespräch, die oder der die Stasi-Untersuchungshaftanstalt im damaligen Karl-Marx-Stadt als Haftinsassin oder Haftinsasse erleben musste.

Dauer: ca. 5 Stunden inkl. Gespräch und Pausen
Kostenbeitrag: ab 180 Euro

Das Angebot richtet sich vorrangig an Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 in der Region Südwestsachsen.

Das Projekt „Hi-STORIES – Geschichte vor Ort“ lädt junge Menschen dazu ein, Geschichte vor der eigenen Haustür zu entdecken. Jugendliche begeben sich auf Spurensuche nach Orten, Personen oder Ereignissen, die mit der DDR oder der Wendezeit zu tun haben – oder ganz konkret mit der Geschichte des ehemaligen Kaßberg-Gefängnisses.

Ist das Thema gefunden, recherchieren die Jugendlichen selbstständig oder mit dem Hi-STORIES-Projektteam, das Workshops anbietet. Alle Ergebnisse können auf hi-stories.de online gestellt werden. Ob Fotoserie, Podcast, Video oder Kurzgeschichte – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Die Workshops finden im Lern- und Gedenkort statt und können über diesen angefragt werden. Mit dabei ist auch eine Führung durchs Haus. Die dafür anfallenden Kosten übernimmt die Landesbeauftragte.

Dauer: nach Vereinbarung, mind. 1,5 Stunden
Empfohlen ab Klasse 9

Wie arbeitete die DDR-Staatssicherheit? Welche Informationen sammelte sie? Wie nutzte sie diese, und was zeigen die Akten über den Unterdrückungsapparat der SED-Diktatur? Nach einer Führung durchs Haus lernen Teilnehmende im Workshop an Dokumentenbeispielen die Methoden der Stasi kennen und erfahren, welche Bedeutung es für Menschen hatte, wenn sie später nach der Aktenöffnung den Einfluss der Stasi auf ihr Leben erkannten.

Das Stasi-Unterlagen-Archiv Chemnitz verwahrt die Überlieferung der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Karl-Marx-Stadt. Zum Archivbestand gehören unter anderem rund sieben Kilometer Unterlagen und ca. 2,3 Millionen Karteikarten. Der Workshop ist eine Bildungsveranstaltung des Bundesarchivs – Stasi-Unterlagen-Archiv Chemnitz in Kooperation mit dem Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis.

Dauer: 1,5 bis 2 Stunden
Kosten für die Hausführung: ab 90 Euro
Empfohlen für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 10

Sommer 1979 in Thüringen. Die Familien Strelzyk und Wetzel, so schreibt der Verleih, haben über zwei Jahre hinweg einen waghalsigen Plan geschmiedet: Sie wollen mit einem selbst gebauten Heißluftballon aus der DDR fliehen. Doch der Ballon stürzt kurz vor der innerdeutschen Grenze ab. Die Staatssicherheit findet Spuren des Fluchtversuchs und nimmt sofort die Ermittlungen auf. Für die beiden Familien beginnt ein Wettlauf mit der Zeit … Die Schülerinnen und Schüler sehen den packenden Spielfilm von Regisseur Michael „Bully“ Herbig im Kinosaal des Chemnitzer Clubs „Weltecho“ und treffen den Zeitzeugen Günter Wetzel, auf dessen wahrer Geschichte der Film basiert.

Die sogenannte „versuchte Republikflucht“, auch „ungesetzlicher Grenzübertritt“ genannt, war einer der häufigsten politischen Haftgründe in der DDR. Nicht nur die „Tat“ selbst oder der Versuch waren strafbar, schon Mitwisserschaft konnte zu Verhaftung und Verurteilung führen. Vor Beginn der Filmvorführung gibt es eine Einführung zu den Themen Flucht und Ausreise aus der DDR.

De Trailer zum Film sehen Sie hier bei Youtube (externer Link).

Dauer: ca. 3 Stunden
Kostenbeitrag für Filmvorführung und Zeitzeugengespräch: ab 220 Euro 

Empfohlen ab Klasse 8 – im Fach Deutsch, Geschichte, Gemeinschaftskunde, Geografie oder Technik
Nur auf Anfrage und nach Verfügbarkeit

Ein gemeinsames Angebot des Lern- und Gedenkorts Kaßberg-Gefängnis und des Bundesarchivs – Stasi-Unterlagen-Archiv Chemnitz

Der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen für Spitzeldienste der Staatssicherheit gehört zu den wenig bekannten Kapiteln der DDR-Geschichte. Der Rostocker Musiker und Autor Christian Ahnsehl unterschrieb im Alter von 15 Jahren eine Verpflichtungserklärung als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit. Neun Monate später gelang ihm der Ausstieg. Die Erlebnisse von damals hat er in seinem hochgelobten Roman „Der Ofensetzer“ (Grünberg-Verlag 2020) verarbeitet. Schülerinnen und Schüler können den Autor im Rahmen einer Lesung oder in einem Zeitzeugengespräch treffen.

Aus dem Klappentext des Buches: „1986, in einem Neubaugebiet im Norden der DDR: Nachdem der 15-jährige Tom eine Protestlosung an die Wand seines Schulgebäudes schreibt, lernt er Hauptmann Lorenz von der Staatssicherheit kennen. Tom fühlt sich wie im Rausch. Ausgerechnet für ihn interessiert sich die allmächtige Stasi! Schnell jedoch gerät er in einen Strudel aus Angst und Verrat. Denn seine Losung stammt von einer jener Postkarten, die seit einiger Zeit aus dem Stadtgebiet versendet werden, und Hauptmann Lorenz muss herausfinden, wer sich hinter dem Absender verbirgt: Wirklich nur ein Ofensetzer namens Manfred Heiliger? Verzweifelt will Tom sich von der Stasi trennen. Doch Hauptmann Lorenz ist wie besessen von Heiliger …“

Dauer: ca. 2 Stunden
Kostenbeitrag: ab 180 Euro

Empfohlen ab Klasse 8 — im Fach Deutsch, Geschichte oder Gemeinschaftskunde

Nur auf Anfrage und nach Verfügbarkeit

Der Künstler Hartmut Leimcke, 1952 in Aue geboren und in Chemnitz aufgewachsen, ist nicht nur Workshopleiter, sondern als Zeitzeuge ein adäquater Ansprechpartner für die Fragen der Jugendlichen. Mit 17 Jahren war der damalige Berufsschüler nach einem gescheiterten Fluchtversuch von April bis Mai 1970 im Kaßberg-Gefängnis inhaftiert, bevor er in den Jugendstrafvollzug nach Ichtershausen (Thüringen) kam und seine Freiheitsstrafe 1971 in eine Bewährungsstrafe umgewandelt wurde.

Nach einer Führung gibt Hartmut Leimcke den Schülerinnen und Schülern künstlerische Impulse, um sich dem Thema „politische Haft in der DDR“ zu nähern. Dabei geht der bildende Künstler und gelernte Gebrauchswerber besonders auf die Themen ein, die junge Menschen heute am historischen Ort bewegen. Im Prinzip kann sich jede Schülerin und jeder Schüler anhand eines thematischen Schwerpunktes – etwa den Haftbedingungen oder den Gründen für die Inhaftierung – auf diese Weise kreativ, eigenverantwortlich und nachhaltig mit der Historie des Haftortes und mit den Schicksalen der politisch Verfolgten individuell befassen.

Dauer: 2 bis 2,5 Stunden
Kostenbeitrag: ab 200 Euro

Empfohlen für kunstinteressierte Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9

Nur auf Anfrage und nach Verfügbarkeit, Plätze begrenzt

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