Rolf Kiesel wurde am 2. Dezember 1946 geboren.

Welchen Bezug hat der Zeitzeuge zum Kaßberg-Gefängnis?

Am 3. Mai 1969 wurde Rolf Kiesel wegen Verweigerung des Wehrdienstes verhaftet und in das Kaßberg-Gefängnis verbracht. Es folgte die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten. Auf dem Kaßberg war er von Mai 1969 bis zum Februar 1971 inhaftiert.

Kurzbiografie

Rolf Kiesel verweigerte aus religiösen Gründen 1969 den Wehrdienst. In der DDR war es strafbar, dem Einberufungsbefehl zur Nationalen Volksarmee (NVA) nicht Folge zu leisten, weshalb die Verhaftung für ihn wenig überraschend kam. Er wurde am 3. Mai 1969 verhaftet und in das Kaßberg-Gefängnis gebracht, zunächst als Untersuchungshäftling im MdI-Trakt, dem Gefängnisteil des Ministeriums des Innern. Erst nach drei bis vier Tagen endete die quälende Ungewissheit, welches Strafmaß ihn erwartete. Mit der Strafrechtsänderung von 1968 konnten im schlimmsten Falle bis zu fünf Jahren Gefängnis drohen. Ein Militärrichter verurteilte den damals 23 Jahre alten Familienvater zu 21 Monaten Freiheitsstrafe.

Er wusste, „das muss ich jetzt hier durchstehen und das mache ich“. Während der Haftzeit arbeitete er im Männer-Arbeitskommando des Kaßberg-Gefängnisses als Autoschlosser. Nach seiner Entlassung am 2. Februar 1971 bekamen er und seine Familie die Intoleranz des Regimes gegenüber Angehörigen religiöser Glaubensgemeinschaften immer wieder zu spüren. Sie wurden weiterhin beobachtet. Rolf Kiesel aber blieb bei seiner Überzeugung und ist bis heute der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen angehörig. Heute engagiert sich Rolf Kiesel als Zeitzeuge für unser Gedenkstättenprojekt und arbeitet regelmäßig bei Bildungsveranstaltungen mit.

In unserer Dauerausstellung ist Rolf Kiesel ein eigener biografischer Ausstellungsbereich mit Videointerview, Aktenauszügen und Exponaten gewidmet. Sie finden ihn im zweiten Obergeschoss unseres Lernorts im früheren Hafttrakt B.

Unsere Fotos zeigen Rolf Kiesel, unten bei einer Führung im Juni 2017.

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