Wolfgang Looß wurde am 5. Oktober 1928 in Chemnitz geboren und verstarb am 24. September 2015 ebendort.

Welchen Bezug hat der Zeitzeuge zum Kaßberg-Gefängnis?

Wolfgang Looß wurde als 16-Jähriger von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet und vom 9. Oktober bis zum 17. November 1945 im Kaßberg-Gefängnis festgehalten. Während dieser Zeit versuchte das NKWD in brutalen Verhören, ihm das Geständnis zu erpressen, dass er der NS-Partisanenorganisation „Werwolf“ zugehörig gewesen sei – was nicht der Wahrheit entsprach.

Kurzbiografie

Wolfgang Looß wurde mit zehn Jahren Mitglied des Deutschen Jungvolkes, mit 14 Mitglied der Hitlerjugend. Ende September 1945 wurde er verhaftet und neun Tage in eine Zelle in der sowje­tischen Militär­komman­dantur auf dem Kaßberg gesteckt. Dort verbrachte er seinen 17. Geburtstag. Am 9. Oktober 1945 verlegte man ihn in den Westflügel des Kaßberg-Gefängnisses. Dort kam Wolfgang in eine Zelle, in der bereits vier ältere, kahl rasierte Männer saßen. Man scherte ihm ebenfalls den Kopf. Die Fenster der Zelle waren verblendet, dafür brannte Tag und Nacht Licht. Zwischen 6 und 24 Uhr war Schlafen und Reden verboten. Nachts wurde Wolfgang zur Vernehmung geholt. Die Wege zum Verhör waren die einzigen Schritte, die er in den 39 Tagen im Kaßberg-Gefängnis gehen durfte und während denen er eine andere Luft atmete als die der überbelegten Einzelzelle. Man warf Wolfgang Looß vor, der nationalsozialistischen, auf Anschläge hinter den Frontlinien speziali­sierten Partisanen­truppe »Werwolf« anzugehören. Die sowje­tischen Beamten wandten körperliche Folter an, sie schlugen Wolfgang mit einem Gewehrkolben die Lippe blutig. Da die Vernehmer kaum Deutsch sprachen und Wolfgang kein Russisch verstand, war die Verständigung schwierig. Unterschreiben musste Wolfgang die Protokolle trotzdem.

Wolfgang Looß kam anschließend 15 Monate ins sowjetische Speziallager Nr. 4 Bautzen und Anfang 1947 zur Zwangsarbeit nach Sibirien. Bis zu seiner Rückkehr am 28. Mai 1952 durchlief er dort zehn verschiedene Lager. Von 1992 an engagierte sich Wolfgang Looß in der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e. V., Landesverband Sachsen (VOS Sachsen). Im Jahr 2000 wurde sein Antrag auf Rehabilitierung abgelehnt – weil er niemals verurteilt wurde. 

In unserer Dauerausstellung ist Wolfgang Looß mit einem eigenen biografischen Ausstellungsbereich im zweiten Obergeschoss der Dauerausstellung vertreten.

Die Fotos zeigen Wolfgang Looß auf einem Passbild aus dem Jahr 1951/52 (Privatarchiv) in der Gefangenschaft in Kiew und beim Interview für das Zeitzeugenprojekt der VOS Sachsen. Dieses Zeitzeugengespräch ist heute im Lernort in seinem biografischen Ausstellungsbereich zu sehen. Wolfgang Looß‘ Biografie und seine Verbindung zum Kaßberg-Gefängnis ist auch Thema der ersten Folge des Podcasts „Weggesperrt – Haft hinterm Eisernen Vorhang“ der VOS Sachsen.

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