
Falk Mrázek wurde am 27. November 1960 in Radeberg bei Dresden geboren.
Welchen Bezug hat der Zeitzeuge zum Kaßberg-Gefängnis?
Falk Mrázek erhielt wegen „versuchter Republik“ und „gewaltsamer Grenzverletzung“ eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Er leistete während des Kältewinters 1978/79 Schwerstarbeit im Strafvollzug Bitterfeld. Im Juni 1979 kaufte die Bundesrepublik ihn über das Kaßberg-Gefängnis frei.
Kurzbiografie
Seine Kindheit und Jugend verbrachte Falk Mrázek in Bischofswerda bei Dresden. Seine Eltern stellten im November 1975 einen Antrag auf Familienzusammenführung und Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR. Parallel zeigten sich für den Jugendlichen die Widersprüche zwischen Theorie und Realität im Sozialismus immer deutlicher, was er auch im Schulunterricht äußerte. Nachdem er schließlich die Nachfrage des Schuldirektors, ob er dem Ausreiseantrag seiner Eltern zustimme, bejahte, durfte er trotz sehr guter Schulnoten die Erweiterte Oberschule nicht besuchen. In der Folge musste er das angestrebte Studium der Journalistik aufgeben und eine Ausbildung beginnen.
Falk Mrázek sah für sich keine Zukunft mehr in der DDR und unternahm am 14. September 1978 mit knapp 18 Jahren einen demonstrativen Fluchtversuch am Brandenburger Tor in Berlin, um dem Ausreiseersuchen seiner Familie Nachdruck zu verleihen. Nach der Untersuchungshaft in der Keibelstraße in Berlin folgte die Verurteilung am Kreisgericht Bischofswerda wegen „versuchter Republikflucht“. Das Urteil lautete 14 Monate Freiheitsentzug. Falk Mrázek wurde in das Haftarbeitslager Bitterfeld verlegt und musste im extrem kalten Winter 1978/79 im Freien schwere Zwangsarbeit verrichten. Später kam er in das Chemiekombinat Bitterfeld und arbeitete dort unter lebensgefährlichen Bedingungen. Im Juni 1979 kaufte die Regierung der Bundesrepublik Deutschland ihn über das Kaßberg-Gefängnis frei. Falk Mrázek studierte später Journalistik und arbeitete anschließend als Redakteur und Reporter im In- wie Ausland.
In unserer Dauerausstellung ist Falk Mrázek ein eigener biografischer Ausstellungsbereich mit Videointerview, Aktenauszügen und Exponaten gewidmet. Sie finden ihn im ersten Obergeschoss unseres Lernorts im früheren Hafttrakt B.
Die Fotos zeigen Falk Mrázek im Porträt, im Jahr 1978 kurz vor seinem Fluchtversuch und sein erstes Ausweisfoto in der Bundesrepublik im Jahr 1979.
Sein Buch „Erwachsenwerden hinter Gittern – Als Teenager im DDR-Knast“ (2020) kann per E-Mail an verwaltung@gedenkort-kassberg.de bestellt werden. Informationen zu den Bestellmodalitäten finden Sie hier.

