Dieter Gollnick wurde im 1956 in Ostberlin geboren.

Welchen Bezug hat der Zeitzeuge zum Kaßberg-Gefängnis?

Dieter Gollnick wurde im November 1987 über das Kaßberg-Gefängnis in die DDR entlassen.

Kurzbiografie

Dieter Gollnick arbeitete als Lagerbereichsleiter beim „VEB Waren des täglichen Bedarfs“ , war verheiratet und Vater von drei Kindern. Zu Beginn der 1980er-Jahre verspürte er zunehmend Unzufriedenheit, insbesondere wegen der manipulierten Wahlen, der Abschottung durch die Mauer und der fehlenden Meinungsfreiheit in der DDR. Aus diesem Grund stellte die Familie 1986 einen Ausreiseantrag, weshalb er seinen Posten als Lagerberichsleiter verlor und ein Berufsverbot bekam. Gemeinsam mit seinem Schwager suchte er am 20. November 1986 den Grenzübergang Checkpoint Charlie auf, um die Ausreiseanträge zu bekräftigen, und wurde verhaftet. Dieter Gollnick wurde im März 1987 wegen „ungesetzlichen Grenzübertritts im schweren Fall“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Das Gericht unterstellte ihm, er und sein Schwager hätten die Personalausweise nur zur Ablenkung des Postens abgeben wollen, um in den Westen zu fliehen.

Nach fünfmonatiger Untersuchungshaft in Berlin-Hohenschönhausen und über das Gefängnis Berlin-Rummelsburg gelangte Dieter Gollnick nach Karl-Marx-Stadt zum Strafvollzug in die Reichenhainer Straße. Dort erlebte er regelmäßige demütigende Kontrollmaßnahmen durch das Wachpersonal. In drei Schichten fertigten die Häftlinge Getriebegehäuse für MZ-Motorräder. Als Dieter Gollnick während der Arbeit einen Unfall mit einer großen Fleischwunde im Bauch erlitt, wurde keine Erste Hilfe geleistet. Erst nach einer Stunde wurde er ins Krankenhaus gebracht.

Von der Reichenhainer Straße kam er in das Kaßberg-Gefängnis, wo Dieter Gollnick die restliche Haftzeit bis November 1987 absaß und Federballschläger herstellen musste. Nach seiner Haftzeit wurde er wieder in die DDR entlassen. Am 2. März 1988 erhielt er überraschend Besuch eines Mitarbeiters des MfS. Dieter Gollnick hatte die DDR binnen 24 Stunden zu verlassen. Seine MfS-Akte und ein Beschluss, der während der Haftzeit getroffen wurde, bestätigen ihm, dass er einer der von der Regierung der Bundesrepublik Deutschland freigekauften politischen Häftlinge ist.

Die Fotos zeigen Dieter Gollnick und die Gedenktafel, welche seit 2016 an der Außenmauer der heutigen Justizvollzugsanstalt Chemnitz an die dort von 1971 bis 1990 aus politischen Gründen Gefangenen der SED-Diktatur erinnert. Dieter Gollnick war einer der Initiatoren der Tafel, die mit finanziellen Mitteln der Stiftung Sächsische Gedenkstätten realisiert wurde.

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