
Dieter Häcker wurde am 12. Dezember 1952 in Chemnitz geboren.
Welchen Bezug hat der Zeitzeuge zum Kaßberg-Gefängnis?
Dieter Häcker befand sich vom 19. Januar bis zum 5. Juli 1978 in der MfS-Untersuchungshaftanstalt auf dem Kaßberg, weil er die fehlende Meinungsfreiheit und die Verfolgung Andersdenkender in der DDR öffentlich kritisiert hatte.
Kurzbiografie
Geprägt von kritischem Denken schon zu Schulzeiten, protestierte Dieter Häcker 1976 schriftlich beim Staatsrat der DDR gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann und forderte 1977 die Freilassung des unter Hausarrest stehenden Robert Havemann. Eine Antwort seitens der politischen Führung blieb aus. Daraufhin verfasste Dieter Häcker am 1. Dezember 1977 ein weiteres Schreiben an den Verfassungs- und Rechtsausschuss der DDR-Volkskammer und bat das Parlament um Unterstützung seines Anliegens. Weil seine Briefe unbeantwortet blieben, vervielfältigte der 25-jährige Dieter Häcker seine Texte und machte sie im Januar 1978 in Karl-Marx-Stadt öffentlich zugänglich. Darin berief er sich auch auf Gedanken von Rosa Luxemburg zur Freiheit der Andersdenkenden. Dieter Häcker wurde verhaftet, dem Ministerium für Staatssicherheit übergeben und in das Kaßberg-Gefängnis gebracht. Im Mai 1978 erhielt er eine zehnmonatige Freiheitsstrafe, die er im Zuchthaus Cottbus absitzen musste. Dieter Häcker wurde am 16. November 1978 entlassen.
Kaum zwei Monate nach seiner Entlassung kämpfte Dieter Häcker vergeblich gegen das an ihm verübte Unrecht und verlangte die Kassation des Urteils. Erst nach dem Zusammenbruch der SED-Diktatur hob das Bezirksgericht Dresden 1991 das Urteil gegen ihn auf und bestätigte, dass er „lediglich“ sein verfassungsmäßiges Recht auf freie Meinungsäußerung ausgeübt hatte. Trotz beruflicher Nachteile und permanenter Überwachung durch das MfS blieb Dieter Häcker zu DDR-Zeiten gesellschaftskritisch aktiv, unterstützte u. a. die polnische Solidarność-Bewegung und entging nur knapp einer erneuten Verhaftung. Von 1984 an engagierte er sich in der kirchlichen Friedensbewegung, 1989 schloss er sich der Bürgerrechtsbewegung an. Im Oktober 1989 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der SPD in Chemnitz. Nach der deutschen Einheit blieb er parteipolitisch aktiv und begleitete bis 2004 das Schatzmeisteramt des SPD-Landesverbandes Sachsen.
In unserer Dauerausstellung ist Dieter Häcker ein eigener biografischer Ausstellungsbereich mit Videointerview, Aktenauszügen und Exponaten gewidmet. Sie finden ihn im zweiten Obergeschoss unseres Lernorts im früheren Hafttrakt B.
Die Fotos zeigen Dieter Häcker in seinem biografischen Ausstellungsbereich und den Gedenkort an der ehemaligen Außenmauer des Kaßberg-Gefängnisses, auf dem das Haftschicksal von Dieter Häcker ebenfalls zu sehen ist.

