Frieder Zimmermann wurde am 18. Januar 1952 in Annaberg-Buchholz geboren.

Welchen Bezug hat der Zeitzeuge zum Kaßberg-Gefängnis?

Frieder Zimmermann wurde wegen „öffentlicher Herabwürdigung der staatlichen Ordnung“ am 1. April 1987 im Kaßberg-Gefängnis inhaftiert. Er erhielt ein Strafmaß von acht Monaten.

Kurzbiografie

Frieder Zimmermann erlernte nach dem Abschluss an der Polytechnischen Oberschule zunächst das Bäckerhandwerk bevor er seinem eigentlichen Interesse, dem Militär, beruflich nachging. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee vermittelte ihn das Wehrkreiskommando Annaberg-Buchholz zur Gesellschaft für Sport und Technik (GST), wo er bis zum Oberinstrukteur für die Schießsportausbildung aufstieg. Im Jahr 1975 wurde ihm dort nahegelegt, nicht zuletzt aufgrund seiner Position in der GST, der SED beizutreten, was er auch tat. Im Jahr 1980 schulte er zum Facharbeiter für Bergbautechnologie um und fing bei der SDAG Wismut an. Weil er in den Jahren 1982/83 aus der SED austreten wollte, musste er berufliche Rückschläge und finanzielle Einbußen hinnehmen. Als er und seine Familie im Oktober 1986 dauerhaft nach Westdeutschland übersiedeln wollten, um seinen schwer an Krebs erkrankten Onkel zu pflegen, verweigerten die Behörden der DDR die Ausreise. Frieder Zimmermann verfasste sogenannte Eingaben und musste daraufhin „Aussprachen“ beim Rat des Kreises bei der Abteilung Inneres über sich ergehen lassen.

Bei einer dieser „Aussprachen“ fand Frieder Zimmermann deutliche Worte, als er die DDR einen unmenschlichen Staat nannte. Noch am selben Tag, es war der 1. April 1987, wurde er „zur Klärung eines Sachverhaltes“ abgeholt und in die Untersuchungshaft des Kaßberg-Gefängnisses gebracht. Am nächsten Tag erfuhr Frieder Zimmermann vom zuständigen Haftrichter den Grund seiner Verhaftung. Laut Paragraf 220 StGB hätte er sich der „öffentlichen Herabwürdigung der staatlichen Ordnung“ schuldig gemacht. Frieder Zimmermann musste vom 2. April 1987 bis Ende Juni desselben Jahres im Kaßberg-Gefängnis bleiben. Bis auf seinen Zellengenossen sah er aufgrund der Isolation in dieser Zeit keinen anderen politischen Häftling. Die erste Woche nach der Verurteilung zu acht Monaten Haft wurde er in der angrenzenden Untersuchungshaft des Ministeriums des Inneren inhaftiert. Den übrigen Teil seiner Haftzeit verbrachte Frieder Zimmermann im Strafvollzug auf der Reichenhainer Straße in Chemnitz. Im Zuge einer Amnestie von 1987 wurden viele kriminelle Gefangene aus der Strafvollzugsanstalt entlassen, seine Entlassung folgte dann am 3. Dezember 1987. Bei der Abteilung für Inneres wurde ihm mitgeteilt, seinem Ausreiseantrag werde nun entsprochen.

Bis zum 15. Dezember 1987 musste sich die abreisefertige Familie noch gedulden. Frieder Zimmermann erhielt einen Laufzettel, um sich bei allen Behörden ordnungsgemäß abzumelden. Am 4. Januar 1988 wurde die gesamte Familie offiziell einbestellt und aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassen. Einen Tag später reiste die Familie aus. Der pflegebedürftige Onkel war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Familie Zimmermann übernahm dessen Haus bei Aschaffenburg.

Heute unterstützt Frieder Zimmermann als Zeitzeuge den Verein.

Die Fotos zeigen Frieder Zimmermann mit den Zeitzeugen Veronika Bahr und Rolf Kiesel sowie bei einer Führung im Lernort.

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